Humorvolle Pfarrer als Hofnarren der Kirche

epd-bild/Bernd Tielsch
V.l.n.r.: Anne-Baerbel Ruf-Koerver, Hannes Schott, Irene Geiger-Schaller und Josef Hoeglauer sind zusammen das "Weissblaue Beffchen".
Ältestes Kirchenkabarett Bayerns
Humorvolle Pfarrer als Hofnarren der Kirche
Das "Weißblaue Beffchen" ist das älteste Kirchenkabarett Bayerns. 2026 feiert es 50. Bühnenjubiläum - und tourt mit dem Jubiläumsprogramm "Märchenhafte Zeiten" durch den Freistaat.

Ob Steinzeit im Kirchenvorstand oder Lifestyle-Eltern beim Taufgespräch, ob Frauenordination oder Mitgliederschwund: Seit 50 Jahren nimmt das Kirchenkabarett "Weißblaues Beffchen" Missstände und Kuriositäten rund ums Thema Kirche auf die Schippe. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht: "Je schwieriger die Zeiten, desto besser fürs Kabarett", sagt Beffchen-Geschäftsführer Harald Richter.

Die Menschen hätten "Lust, aber auch Sehnsucht" danach, mit ironisch-kritischem Blick auf den Alltag von Kirche und Gesellschaft zu schauen und über manche Absurdität verwundert den Kopf zu schütteln. Entsprechend groß sei die Nachfrage auch im Jubiläumsjahr: Alle neun Spieltermine sind - vom oberbayerischen Berchtesgaden bis ins oberfränkische Trebgast - längst vergeben.

Angefangen hat alles mit dem Auftritt zum 175. Jubiläum der evangelischen Kirche in München im Jahr 1976. Während der Vorbereitungen im Vorjahr habe der spätere Personalchef der Landeskirche, Theodor Glaser, den Anstoß zur Gründung des ältesten bayerischen - und vielleicht sogar deutschen - Kirchenkabaretts gegeben, sagt Richter.

Entspanntes Verhältnis zur "Obrigkeit"

Das entspannte Verhältnis zur "Obrigkeit" hat sich gehalten: Auch wenn das Beffchen mal Bischöfe und Oberkirchenräte durch den Kakao zog, sei die Landeskirche - immerhin Dienstherrin der schauspielernden Pfarrer - doch stets "stolz auf ihren Hofnarren" gewesen. Das liegt sicher auch an der Art des Kabaretts: Wirklich giftig wird es in den Sketchen der Pfarrertruppe nie.

"Es geht uns nicht darum, etwas niederzumachen", sagt die derzeit dienstälteste Beffchen-Pfarrerin, Irene Geiger-Schaller. Die Absurditäten des Gemeindealltags zuzuspitzen und "heilsam über alles lachen zu können", sei das Ziel. Oder, wie Richter es formuliert: "Es menschelt auch in der Kirche: Das sind weder Heilige noch Verrückte - darauf können wir als Christen kritisch, aber auch gelassen schauen."

Rolle der Frauen wandelte sich

Eine Pfarrertruppe war das Beffchen übrigens nicht von Anfang an - denn erst ab 1975 durften Frauen im protestantischen Bayern an den Altar. "Heide Wunderer und Marlies Schulz aus dem Gründungsteam waren Pfarrfrauen", erinnert sich Harald Richter, der selbst schon zwölf Jahre nach dem Start als Vikar zum Beffchen stieß. Natürlich schlug sich die Rolle der Frau in der Kirche in den ersten Programmen nieder.

Beim Kirchentag 1987 in Frankfurt am Main stellten die weiblichen Beffchen-Mitglieder sogar ein eigenes Frauenprogramm auf die Beine. Der bezeichnende Titel: "Die Magd der Möglichkeiten." Kirchenkabarett wurde zur Tradition: In Bayern gesellten sich zum "Beffchen" unter anderem die 1988 gegründeten "Avantgardinen", das Fränkische Kirchenkabarett "FKK" (2003) und "Die Schwarzarbeiter" (2005). Deutschlandweit sind die württembergischen "Maulflaschen", die "Protestantischen Printen" aus Aachen oder "die daktiker" aus Dortmund am Start.

Vierte Generation am Start

Beim Beffchen steht mittlerweile die vierte Generation auf der Bühne. Irene Geiger-Schaller und Josef Höglauer aus Oberbayern wuppen das Programm zusammen mit dem Franken Hannes Schott und der Wahl-Mainzerin Anne-Bärbel Ruf-Körver. Mit jeder Frischzellenkur verändere sich auch der Stil des Beffchens, sagt Geiger-Schaller, die auf 27 Bühnenjahre zurückblickt: "Früher hatten wir mehr Requisite und viel erzählt - das haben wir gestrafft, dafür ist der musikalische Anteil gestiegen". Alle zwei Jahre stellen die Theologen bei einer viertägigen Kabarett-Klausur ein neues Programm zusammen, das dann bei etwa 20 Auftritten gespielt wird.

Aktuelle Entwicklungen wie der Mitgliederschwund und die Strukturreform der Landeskirche sind - neben den Best-of-Stücken - Thema im Jubiläumsprogramm "Märchenhafte Zeiten". Und zwar auf, aber auch neben der Bühne: "Den nächsten Kirchentag 2027 in Düsseldorf schaffen wir nicht, alle haben zu viel um die Ohren", sagt Harald Richter, der seit 2013 nicht mehr mitspielt und sich stattdessen um Finanzen und Logistik kümmert.

Der "Beffchen"-Senior sieht den rasanten Wandel von Kirche innerhalb der Gesellschaft indes pragmatisch: "Die fetten Jahre sind vorbei. Wir müssen uns neu aufstellen - über die Veränderungen zu jammern hilft nichts." Nur, dass das innerhalb der Kirche noch immer nicht alle verstehen wollen - darüber wundert sich Harald Richter trotz seiner bald 40 Jahre beim Kirchenkabarett.