Dement im Krankenhaus

Demenzstation des Pflegeheims "Haus Saalburg" in Frankfurt am Main

Foto: epd-bild/Thomas Lohnes

Dement im Krankenhaus
Saarbrücker Klinik geht neue Wege
Wenn ein alter Mensch mit einem Beinbruch ins Krankenhaus kommt, braucht er meist mehr als nur einen Gips: Viele ältere Patienten sind auch desorientiert. Eine Saarbrücker Klinik hat sich auf die Betreuung dieser Gruppe spezialisiert.

Die "Plaza" ist ein großer Raum in fröhlichen Farben und mit einem großen Esstisch. Das Herzstück der Abteilung für "Alterstraumatologie" im Evangelischen Stadtkrankenhaus Saarbrücken erinnert mehr an ein Altenheim als an eine Klinik. Auch der Tagesablauf der Patienten entspricht nicht dem typischen Krankenhaus-Alltag: Gemeinsame Mahlzeiten wechseln mit aktivierenden Angeboten ab, darunter Vorlesen, Spielen und Bewegungstherapie. "Singen ist am beliebtesten, die älteren Patienten haben einen erstaunlichen Liederfundus", sagt Pflegedienstleiterin Kerstin Schmidt.

Auf der Station werden verletzte alte Menschen behandelt, jeder fünfte Patient ist dement. Die meisten Verletzungen seien Folge eines Sturzes, sagt Markus Burkhardt, Chefarzt der Unfallchirurgie: gebrochene Hand- und Hüftgelenke, Schultern, Becken, Beine und Brüche rund um Gelenkprothesen. Nur wenige Kliniken sind bisher auf Alterstraumatologie spezialisiert, im Saarland nur das Stadtkrankenhaus Saarbrücken.

Während fast jedem gesunden Patienten vermittelt werden kann, dass ein frisch operiertes Gelenk nicht belastet werden darf, hilft bei Menschen mit Demenz eine einfache Erklärung nicht. Sie sind außerstande, Verhaltensmaßregeln zu befolgen. "Die Herausforderung besteht darin, einen Patienten trotz Risikoprofil und verminderter Mitwirkung optimal zu versorgen", sagt Pflegeleiterin Schmidt. 

Pfleger achten verstärkt auf Gesichtszüge der Patienten

Sie weiß aus Erfahrung, dass gerade demente Patienten Sicherheit und Klarheit brauchen - eine Tagesstruktur und soziale Beziehungen. Dafür sorgen neben Mitarbeitern mit Fachwissen in Geriatrie auch ehrenamtliche Helfer, die das Pflegepersonal unterstützen und Zeit für die Patienten mitbringen.

Die Alterstraumatologie versucht, die erheblichen Nebenwirkungen einer Narkose wie Wahrnehmungsstörungen für alte Patienten zu vermeiden. Viele Brüche könnten unter Lokalanästhesie operiert werden, doch das erfordert Personal, sagt der Chefarzt. Werde etwa nur ein gebrochener Arm betäubt, muss ein Helfer während der Operation diesen Arm ruhig halten, ein zweiter den Patienten beruhigen. "Bisweilen geben wir nur deshalb Vollnarkose, weil die Alternativen so schwierig sind", sagt Burkhardt.

Demente Patienten sagen kaum jemals "mir tut es weh", berichtet Schmidt. Das Pflegepersonal muss verstärkt auf Gesichtszüge, Puls und Blutdruck achten. Wenn ein Patient nachts besonders lebhaft ist, wird er schon mal ins Schwesternzimmer geholt, mit einem Getränk und freundlichen Worten beruhigt. Diese Pflege ist personalaufwendig: Einen Patienten zu waschen braucht einen Bruchteil der Zeit, die es kostet, danebenzustehen und zu assistieren, wenn er sich selbst wäscht. Die Arbeit ist eine Herausforderung, sagt Krankenhauspfarrerin Anette Weber, Mitglied der Geschäftsleitung. Aber auch eine Bereicherung: "Es kommt so viel an Emotionen zurück."

Die Pflege Älterer ist aufwendig und teuer

Vieles, was den alten Patienten den Aufenthalt erleichtert, wird nicht von den Krankenkassen refinanziert, sagt Chefarzt Burkhardt: weder bessere Materialien wie ein besonders leichter Gips noch der Einsatz der beiden Demenzbetreuer. "Das Vergütungssystem eines Krankenhauses ist für junge, dynamische Patienten zugeschnitten", sagt Schmidt. Dass die Pflege Älterer aufwendig und teuer ist, akzeptierten die meisten erst, wenn es um die eigenen Eltern geht, so ihre Erfahrung. "Was man jedem Säugling zugesteht, gesteht man alten Menschen mit eingeschränkter Wahrnehmung nicht zu", sagt sie. "Das ist erschreckend."

Das Zentrum für Alterstraumatologie wird vom Evangelischen Stadtkrankenhaus, das von der "Stiftung kreuznacher diakonie" getragen wird, in Kooperation mit der Saarland Heilstätten GmbH betrieben. Für 2015 strebt die Klinik eine Zertifizierung an. Die Fortbildungen für das Personal laufen. "Jeder der Mitarbeiter ist gezwungen, sich mit den Problemen der alten Menschen auseinanderzusetzen", sagt Burkhardt. Auch wenn sich dieses Qualitätsmerkmal für die Klinik nicht in höheren Fallpauschalen auszahle, sei die Spezialisierung nötig - im Interesse der Patienten, aber auch, um als kleines Krankenhaus eine Nische zu besetzen. 

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