Mit einer neuen Jugendforensischen Ambulanz will das Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie am Standort Klingenmünster in der Südpfalz psychisch kranken jungen Menschen dabei helfen, nicht straffällig zu werden.
Das vom Land Rheinland-Pfalz finanzierte Modellprojekt richte sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren, bei denen es aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung zu Straftaten kommen könnte, sagte Wolfgang Weissbeck, leitender Arzt und Unterbringungsleiter im Jugendmaßregelvollzug am Pfalzklinikum, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Das Anfang Februar mit einem Patienten gestartete Projekt nach Schweizer Vorbild schließe eine Lücke zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Justiz, sagte Weissbeck. Bisher gebe es in Deutschland keine entsprechende psychiatrische Versorgung für junge Menschen, die erheblich psychisch auffällig oder gewalttätig geworden sind und deren Verhalten eine Straftat wahrscheinlich mache. Seit der Corona-Pandemie habe die Zahl psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen, vor allem Ängste, Depressionen und Essstörungen, zugenommen.
Auch Opferschutz als ein Ziel
Die Jugendforensische Ambulanz sei ein "aufsuchendes Angebot", sagte Weissbeck. Dabei kämen die Patientinnen und Patienten entweder zu Therapiegesprächen an die dortige Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Oder ein Team aus Psychotherapeuten, Ärzten, Sozialarbeitern und Pflegern suche diese in ihren Familien zu Hause oder in Jugendhilfeeinrichtungen auf. Zudem sollten bereits straffällige Patientinnen und Patienten wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dies diene auch dem Schutz potenzieller Opfer vor Straftaten, machte Weissbeck deutlich.
In Therapiegesprächen werde versucht, auf Kinder und Heranwachsende positiv einzuwirken, um sie von straffälligem Verhalten abzubringen oder um Rückfälle zu verhindern, sagte Weissbeck. Dabei gehe es um den Beziehungsaufbau zu den jungen Menschen, die oft von ihren Familien vernachlässigt wurden, eine Heimerfahrung haben oder Opfer von Gewalt oder Missbrauch wurden. Ihnen werde geholfen, emotionale Impulse für Gewalttaten zu kontrollieren und Selbstverantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Auch würden ihnen die möglichen Folgen einer Straftat wie Geldbußen oder Gefängnis vor Augen geführt, sagte der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
Jährlich rund 50 Fälle erwartet
Weissbeck geht davon aus, dass jährlich rund 50 Fälle - vor allem junge Männer - in der Jugendforensischen Ambulanz betreut werden. Die Betreuung erfolgt in Zusammenarbeit mit Polizei und Einrichtungen der Jugendhilfe. Jede Straftat, die verhindert werden könne, spare letztlich auch Geld für die Gesellschaft, sagte der Mediziner.


