Ebola-Epidemie: "Hände schütteln verboten"

dpa/Ahmed Jallanzo

Krankenschwestern in Liberia: Reisebeschränkungen, abgeriegelte Städte

Ebola-Epidemie: "Hände schütteln verboten"
Die Preise steigen, die Schulen sind geschlossen, ganze Landesteile abgeriegelt. In Sierra Leone sind die Folgen der Ebola-Epidemie deutlich spürbar. Die Menschen wollen sich auf das Schlimmste vorbereiten. Doch niemand weiß, was kommen wird.

Jochen Monninger, der die Projekte der Deutschen Welthungerhilfe im westafrikanischen Sierra Leone leitet, neigt nicht zum Dramatisieren. Eigentlich sei alles wie immer, sagt er am Telefon. Doch wer ihm auch nur ein paar Minuten zuhört, spürt, wie brüchig diese Normalität in Zeiten von Ebola ist - selbst in Freetown, der Hauptstadt des Landes, in der Monninger mit seiner Familie lebt. Alle Schulen sind geschlossen. "Meine drei Kinder gehen jetzt natürlich auch nicht mehr in die Schule", sagte der 35-Jährige Geograf dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Und niemand weiß, wie lange die Zwangspause dauert."

Sierra Leone ist neben Liberia am stärksten von der Epidemie betroffen, an der bislang fast 1.000 Menschen gestorben sind. In Bo, der zweitgrößten Stadt Sierra Leones, unterstützt die Welthungerhilfe die Stadtverwaltung bei weitreichenden Aufklärungs- und Hygieneprogrammen. "Da sind in den vergangenen Wochen endlich schon viele drastische Maßnahmen ergriffen worden", betont Monninger. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus wie in Liberia.

Ebola-Epizentren sind abgesperrt

In Freetown fühlt sich Monninger nicht besonders gefährdet, in der Zwei-Millionen-Stadt seien bisher erst zwei Ebola-Fälle bekannt. Aber das Virus und seine Folgen seien ständiges Gesprächsthema, Nachtclubs und Kinos inzwischen geschlossen. Und die sehr kontaktfreudigen Menschen lebten möglichst ohne Körperkontakt. "Alle vermeiden es inzwischen sogar, anderen die Hand zu schütteln."


Zudem hat das Militär inzwischen Ebola-Gebiete abgeriegelt, was einheimische Mitarbeiter direkt traf. "Einige waren zu Hause bei ihren Familien in den abgeriegelten Städten Kailahun und Kénéma. Sie sind jetzt praktisch eingeschlossen." Andere können nicht mehr zu ihren Familien, die dort leben. Am Donnerstag mussten Mitarbeiter dringend durch die Sperre, um zu ihren Familien zu kommen. Monninger: "Das ging nur hoch offiziell und mit einer Eskorte der Polizei."

Im Alltag wird die ungewöhnliche Situation auch durch die Preise spürbar. Der Handel bricht zusammen, etliche Grundnahrungsmittel wurden schon teurer. "Wir haben unseren Mitarbeitern jetzt das Gehalt für drei Monate ausgezahlt", berichtet Monninger. "Man weiß ja nicht, was noch kommt." Die internationalen Mitarbeiter dürfen ausreisen, wenn sie sich gefährdet fühlen: "Wir wollen niemanden zwingen, zu bleiben."

Sieben Mitarbeiter kamen aus dem Jahresurlaub in Deutschland vorerst nicht zurück. Ihre Forst- und Landwirtschaftsprojekte in der von der Epidemie betroffenen Region hat die Organisation sowieso vorerst eingestellt. Stattdessen überlegt sie nun, weitere Ebola-Aufklärungs- und Hygieneprogramme aufzustellen. Aber auch diejenigen, die wie Monninger bleiben, beugen vor. Für den Fall, dass die Flugverbote wegen Ebola weiter ausgeweitet werden, besorgen sie sich Visa für die Nachbarländer. "Damit wir zur Not auf dem Landweg noch irgendwie rauskommen", sagt der Familienvater.