Muslime fordern besseren Schutz für Moscheen

Muslime fordern besseren Schutz für Moscheen
Viele Muslime sind beunruhigt. Denn die Brandanschläge, Bombendrohungen oder Hakenkreuz-Schmierereien an Moscheen haben in Deutschland zugenommen. 2010 und 2011 wurden 26 schwerwiegende Angriffe allein auf Moscheen der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) angezeigt.

Der Fensterrahmen ist verkohlt, das Glas gesplittert. Der Molotow-Cocktail richtete an der Darmstädter Zentrumsmoschee nur Sachschaden an. Es ist bereits der zweite Brandanschlag auf eine Moschee im neuen Jahr. In Hamburg waren in der Neujahrsnacht Brandsätze auf die DITIB-Nord-Zentrumsmoschee geflogen. In Düren schrieben Unbekannte rassistische Parolen an eine Hauswand gegenüber. Viele Muslime sind beunruhigt, sagt der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Ali Dere. Die DITIB mit Sitz in Köln ist der mit Abstand größte Moscheeverband hierzulande.

Polizei und Verfassungsschutz erfassen Angriffe auf Moscheen nicht als eigene Kategorie. Laut Dere haben Brandanschläge, Bombendrohungen oder Hakenkreuz-Schmierereien an Moscheen jedoch zugenommen. 2010 und 2011 wurden demnach insgesamt 26 schwerwiegende Angriffe allein auf DITIB-Moscheen angezeigt. Zwischen 1984 und 2009 seien es insgesamt nur 34 solcher Angriffe auf DITIB-Gebäude gewesen. "Die Entwicklung ist besorgniserregend", sagt Dere.

Die Hauptstadt Berlin ist der Tatort vieler Brandanschläge

"Es ist seit Jahren regelmäßig so, dass Anschläge stattfinden, und es bleibt allenfalls eine Randnotiz", beklagt Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Islamische Gebetsstätten unter anderem in Bergkamen, Köln und Dortmund waren in den vergangenen Jahren Ziel von Brandanschlägen. Besonders schlimm hat es Berlin getroffen, wo allein die im osmanischen Stil errichtete Sehitlik-Moschee viermal angegriffen wurde.

In Datteln, Hameln, Bielefeld, Rheinfelden, Lauingen, Heidenheim, Ludwigshafen und andernorts fanden die Muslime in den vergangenen Jahren Nazi-Parolen an Wänden und Türen. Im Sommer hatten Unbekannte vor einer Moschee in Osterode am Harz einen Schweinekopf abgelegt und in die Schnauze ein Hakenkreuz eingeritzt. Hinzu kommen Drohungen gegen Moscheen. So hatte die Moschee in Hamburg-Barmbek nach DITIB-Angaben eine dubiose DVD erhalten, die von der Zwickauer Terrorzelle stammen soll.

Viele Muslime fühlen sich mit ihrer Angst alleine gelassen

Bislang richten die Anschläge nur Sachschäden an. Doch an den Muslimen gehen die Angriffe nicht spurlos vorüber. Einige rufen zu Dialog und Gelassenheit auf. So mahnt der Imam der Dürener Moschee nach den Schmierereien, sich nicht provozieren zu lassen. Der DITIB-Nord-Vorsitzende Zekeriya Altug erklärt in Hamburg: "Wir distanzieren uns entschieden von Gewalt jeglicher Art, egal ob es sich gegen Kirchen wie zuletzt in Nigeria oder Ägypten richtet, oder gegen Moscheen wie in Deutschland." DITIB-Präsident Dere ist dankbar, dass die Mehrheit der Deutschen die Anschläge ebenso verurteile wie die Muslime.

Bei vielen Muslimen macht sich laut Mazyek jedoch Resignation und Angst breit, allein gelassen zu werden und Opfer erneuter Anschläge zu sein. Dagegen mahnt Mazyek mehr Solidarität der Gesellschaft an. "Das Gefühl, dass jeder Brandsatz auf ein Gotteshaus, egal welcher Religion, ein Brandsatz auf die Gesellschaft ist, das fehlt", sagt der Zentralrats-Vorsitzende. Es gebe zuviel Wegschauen.

Islamische Verbände: Islamfeindlichkeit soll ernst genommen werden

Hin und wieder können Täter mit Kontakten ins rechtsextreme Milieu ermittelt werden. Einzelne Anschläge sollen aber auch auf den türkisch-kurdischen Konflikt oder auf unpolitischen Vandalismus zurückgehen. Zum Anschlag in Darmstadt erklärt die Polizei, sie ermittle in alle Richtungen.

Die Muslime besorgt vor allem die Islamfeindlichkeit. Altug findet, dass die Salonfähigkeit islamfeindlicher Aussagen und die Wahrnehmung des Islam als vermeintliche Gefahr erst die Gewalt gegenüber Muslimen ermöglichten. Die islamischen Verbände fordern deshalb von den Sicherheitsbehörden, nicht nur radikale Islamisten zu beobachten. Sie müssen laut Mazyek auch die Islamfeindlichkeit ernst nehmen: "In den letzten Jahren war der Terror von rechts maßgebend und hat viele Opfer erzeugt." Extremismus jeglicher Art müsse in den Fokus der Sicherheitsbehörden kommen, betont der Zentralratsvorsitzende.

epd