Sorgenkind Buchhandel: Das E-Book macht sich breit

Sorgenkind Buchhandel: Das E-Book macht sich breit
Der Buchmarkt in Deutschland schreibt schlechte Zahlen. Neben sinkender Umsätze müssen die Händler und Verlage mit Online-Plattformen wie Amazon konkurrieren. Immer mehr Verlage setzen wie Anbieter aus den USA auf das E-Book. Ob das digitale Buch die Branche retten kann?

Borders gibt nun also endgültig auf. Der zweitgrößte Buchhändler in den USA hatte vor allem zwei Probleme: Wegen der Wirtschaftskrise gaben die Kunden kein Geld mehr für Bücher aus, und wenn, dann kauften sie sie im Internet. Auch das E-Book macht der Buchbranche zu schaffen. In den USA gibt es die dazu passenden Lesegeräte schon zum Niedrigpreis von unter 100 Dollar (70 Euro) - und die Download-Zahlen für digitale Bücher steigen. Wer aber E-Books herunterlädt, der geht in keinen Buchladen.

Probleme, die auch die deutsche Buchbranche kennt. Immer weniger Unternehmen machen immer weniger Umsatz: 2006 setzten 4.179 Firmen noch 3,6 Milliarden Euro um, so die Angaben des Statistischen Bundesamtes. 2008 machten 4.097 Unternehmen nur noch 3,5 Milliarden Euro Umsatz.

Das liegt auch am fehlenden Interesse an Büchern: Die D.A.C.H.-Studie des Börsenblattes des Deutschen Buchhandels zeigt: Von den elf Stunden, die pro Tag von den Deutschen medial genutzt werden, fallen nur vier Prozent, also 26 Minuten auf Bücher - damit steht das Buch an letzter Stelle im Medienranking. Allerdings sind die Deutschen beim E-Book skeptisch: Nur ein Drittel der Befragten hat schon einmal davon gehört und mehr als die Hälfte kann sich auch nicht vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten in einem E-Book zu lesen.

Verlage machen mit E-Books nur ein Prozent Umsatz

Also ist in Deutschland doch alles anders als in den USA? Nicht so ganz. Zwar ist das Buch nur noch auf dem letzten Platz der genutzen Medien. Aber auch hierzulande schwören die Verlage auf das E-Book als neue Vertriebsform. Der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch beispielsweise bietet seit rund eineinhalb Jahren die elektronische Buchform an. Mittlerweile hat das Unternehmen 300 Titel im Angebot - mit steigender Tendenz. Zwei Prozent des Gesamtumsatzes werden die E-Books bis Jahresende ausmachen, so die Prognose - bis 2015 sollen es zehn Prozent sein.

Rudolf Frankl, Leiter des Marketings und Vertriebs beim Deutschen Taschenbuchverlag (dtv), sieht das etwas anders: "Die mediale Wahrnehmung des vermeintlichen E-Book-Hypes steht derzeit in Europa in einem krassen Missverhältnis zu den tatsächlich realisierten Zahlen." Zwar seien die Zuwachsraten tatsächlich erheblich. "Dennoch haben die Umsatzanteile digitaler Inhalte bei den Publikumsverlage in der Regel ein Prozent der Gesamtumsätze noch kaum erreicht." Vor diesem Hintergrund sei weiterhin mit erheblichen Wachstumszahlen zu rechnen. Dennoch werde es dauern, bis E-Books im Medienmix eine relevante Größe erreichen.

Trotzdem. Auch Hugendubel  - die größte Buchkette Deutschlands- baut das Geschäft mit E-Books aus. Mittlerweile bietet das Unternehmen mehr als 100.000 digitale Bücher an, in den vergangenen Monaten vervierfachten sich deren Absätze. Überhaupt geht es der Kette gut - mit 1,657 Milliarden Euro liegt der Umsatz leicht über dem Vorjahr - ganz gegen den Branchentrend.

Der Buchhandel verkauft 13,8 Prozent per Internet

Das es Hugendubel so gut geht, liegt vor allem am Internet-Geschäft.  Während der Internet-Anteil im Buchhandel laut Börsenverein bei 13,8 Prozent liegt, macht Hugendubel schon ein Drittel aller Umsätze im Netz.  Auch Rudolf Frankl vom Deutschen Taschenbuchverlag bestätigt diese Tendez. "Die Entwicklung der Umsatzanteile zwischen E-Commerce und stationärem Handel verläuft weiterhin zu Gunsten der Internetanbieter." Dazu zählen jedoch auch die Online-Shops der stationären Buchhändler.

Wäre da noch Amazon - der größte Konkurrent der Buchhändler. Die Online-Plattform bietet nicht nur klassische Bücher online zum Kauf an, sondern mit Kindle auch das hauseigene Lesegerät - ähnlich wie das iPad von Apple - für digitalen Content. Weltweit gibt es bei Amazon - nach Angaben des Unternehmens - bereits 950.000 E-Books. Deutschlandweit sind es rund 36.000. Wie hoch der Umsatzanteil an verkauften Büchern insgesamt ist, gibt Amazon nicht bekannt. Fest steht aber: In den Monaten April und Mai diesen Jahres verkaufte der Anbieter weniger Papierbücher als E-Books. Auf 100 verkaufte klassische Bücher kamen 105 elektronische Bücher.

Auch Apple mischt kräftig im E-Book-Geschäft mit. Weltweit wurden seit Start des iBookstore 2010 mehr als 130 Millionen E-Books heruntergeladen. Auch hier gibt es keine gesonderten Zahlen für Deutschland. Aktuell bietet das Unternehmen 250.000 Bücher von rund 2.500 Verlagen an - darunter auch deutsche Verlage wie Bastei-Luebbe, CH Beck und Fischer.

Die Zahlen aus den USA sprechen für sich: Auch wenn das E-Book noch nicht zu der beliebtesten Buch-Form der Deutschen gehört - der digitale Trend - als Buch und als Vertriebsform - wird wohl auch in Deutschland noch zunehmen.


Maike Freund ist Redakteurin bei evangelisch.de.