Tore, Triumphe, Tragödien: Die Sportschau und die Bundesliga

Tore, Triumphe, Tragödien: Die Sportschau und die Bundesliga
Eine TV-Institution feiert runden Geburtstag: Die gute alte "Sportschau" wird 50 Jahre alt. Für ganze Generationen von Fußballbegeisterten ist die ARD-Sendung, in der jeden Samstag ausführlich über Tore, Triumphe und Tragödien auf dem grünen Rasen berichtet wird, zum Ritual geworden, bei dem jede Störung höchst unerwünscht ist.

"Sportschau-Zeit war heilige Zeit. Während der Zeit rief eigentlich nie jemand an", erinnert sich "Sportschau"-Moderator Gerhard Delling an seine eigene Kindheit und Jugend. Das Erste würdigt die Kultsendung am 28.5. mit der großen Geburtstagsshow "50 Jahre Sportschau", Anstoß ist um 18.00 Uhr.

Moderiert wird die knapp zweistündige Show von Ernst Huberty – "Mister Sportschau" höchstpersönlich – und Anne Will, die Ende der Neunziger als erste weibliche Moderatorin des Klassikers bekannt wurde.

Als die Spiele noch per Motorrad übertragen wurden

Die Geschichte der am 4. Juni 1961 gestarteten Sendung ist eng mit der zwei Jahre später aus der Taufe gehobenen Fußball-Bundesliga verknüpft: In erster Linie drehte sich die Sendung stets um den aktuellen Spieltag und die Fanseele bewegende Fragen wie die, ob der FC Bayern bei Eintracht Frankfurt strauchelte, wie das Ruhrpott-Derby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund ausging, oder welcher Aufsteiger seinen völlig unerwarteten Höhenflug fortsetzte.

"Die Sportschau ist erst mit der Fußball-Bundesliga Kult geworden", sagt Ernst Huberty, der die Sendung mehr als 20 Jahre moderierte, bis er 1982 über eine Spesenaffäre stolperte. Dabei wurde jeder Spieltag für die "Sportschau"-Macher in den ersten Jahren zu einer logistischen Herausforderung: Um rechtzeitig über die Bundesliga-Partien vom Nachmittag berichten zu können, mussten die Filme mit Motorradkurieren oder auch mal mit dem Hubschrauber von den Stadien ins Kölner Studio gebracht werden. Anders als heute wurden früher jedoch auch nur Ausschnitte von drei, maximal vier Begegnungen gezeigt.

War die "Sportschau" lange Zeit das unangefochtene Bundesliga-Forum im deutschen Fernsehen – bis zu 15 Millionen Zuschauer hingen Ernst Huberty, Addi Furler oder Heribert Faßbender an den Lippen –, brachen mit dem Aufkommen des Privatfernsehens schwere Zeiten für die Sendung an. 1988 machte erst die RTL-Fußballshow "Anpfiff" der guten alten Tante für ein paar Jahre Konkurrenz, 1992 verlor die "Sportschau" dann die Bundesligarechte an "ran" (Sat.1).

Jubiläum mit Spielerfrisuren und Skandalen

Erst 2003 kehrte der Fußball zur ARD und damit zur "Sportschau" zurück. In der gerade abgelaufenen Bundesligasaison schalteten durchschnittlich 5,62 Millionen Zuschauer die "Sportschau" ein, was einem sehr guten Marktanteil von 25,3 Prozent entspricht. "Die Sportschau ist und bleibt die Institution in Sachen Bundesliga", jubelt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. In der neuen Saison stößt Matthias Opdenhövel als neuer Moderator zum aktuellen "Sportschau"-Team um Reinhold Beckmann und Gerhard Delling.

In der von Ernst Huberty und Anne Will moderierten Jubiläumsshow am 28.5. geht es um große und kleine Highlights aus 50 Jahren "Sportschau" – von legendären Spielerfrisuren über spektakuläre Tore des Monats bis zu aufwühlenden Fußball-Skandalen. Als prominente Gäste gratulieren unter anderem die Bundesliga-Legenden Franz Beckenbauer und Uwe Seeler der Kultsendung zum Geburtstag.


Martin Weber ist Medien- und Fernsehjournalist in Berlin.