Sternekoch Schuhbeck: Drei Wünsche für die Speisekultur

Sternekoch Schuhbeck: Drei Wünsche für die Speisekultur
"Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt" - so wurde früher mit dem Speiseplan auch die Hierarchie an den heimischen Töpfen zementiert. Heute geht es längst darum, ob überhaupt noch etwas auf den Tisch kommt - oder ob man aus der Mikrowelle direkt im Stehen diniert. Das hat nicht nur körperliche Folgen für die Volksgesundheit, sondern betrifft auch den Kommunikationsraum Familie. Der Koch Alfons Schuhbeck hat deshalb drei Wünsche für gehaltvolle Mahlzeiten am Familientisch.

Damit unser Essen wieder Leib und Seele zusammenhält, wünsche ich …

… allen Kindern,

dass sie nicht zu McDonald’s oder Pizza Hut geschickt, sondern daheim liebevoll von der Mama oder Omi bekocht werden (und sie dabei auch über alles reden können, was sie auf dem Herzen haben). Denn in der Kindheit werden die Weichen entweder für die lebenslange gesunde Ernährung und die Freude am Genuss oder fürs kulinarische Abstellgleis gestellt. Wer seine Kinder liebt, wird auch auf deren ausgewogene, vielseitige und abwechslungsreiche Ernährung achten.

Gutes Essen lernen Kinder übrigens weder in der Schule noch durchs Fernsehen, sondern nur durch Vorbilder, also die Eltern oder Verwandten, die es ihnen am Familientisch nahe bringen oder mit ihnen in gute Wirtshäuser und Restaurants gehen. Später wird es für die erste Liebe oder den Ehepartner sehr schwer, einen Hamburger-Mampfer zum guten, gesunden Essen zu bekehren. Denn den deutschen Jugendlichen (und Erwachsenen) fehlen anders als in Frankreich oder Italien überzeugende Vorbilder, weil die Stars in den Medien zwar schicken Lifestyle pflegen, flotte Klamotten tragen und tolle Autos fahren, aber fast nie in guten Restaurants oder sonstwie durch ihre vernünftige Ernährung auffallen. Und wenn sie Werbung für Essbares machen, dann selten für etwas Gesundes von natürlichem Wohlgeschmack.

… allen Familien,

dass sie daheim so oft wie möglich gemeinsam essen – und dabei miteinander reden. Wichtig ist ja nicht, dass zuhause perfekt gekocht wird, sondern liebevoll. Das beginnt damit, dass man beim Einkauf auf gute und frische Produkte achtet. Wer fürs Autoöl mehr Geld ausgibt als fürs Salatöl und wer nur aus den Tiefkühlfächern der Supermärkte das Billigste holt, der muss sich nicht wundern, wenn er sich nicht wohl fühlt. Denn wer gut isst, lebt auch gesünder. Aromenreich, leicht und bekömmlich zu kochen und appetitlich anzurichten, ist heute dank der vielen Kochanleitungen in den Medien auch daheim gut möglich und keineswegs ein (zu) teures Vergnügen.

… allen Politikern

in Berlin, Brüssel, Washington und sonstwo, dass sie die Landwirtschaft nicht weiter zur Sau machen. Warum müssen Viecher vor Hormonen strotzen, Tomaten bloß wässrig schmecken und Böden überdüngt werden? Die Agrarpolitik hat weltweit nichts mit Volksfürsorge, aber viel mit Menschenverachtung zu tun.

Typisches Beispiel für die Folgen der Politik: Ein Apfel von heute hat nur noch 30 Prozent der Vitamine wie 1970 – der Rest durfte durch Züchter, Vermarkter und Konsumenten draufgehen, die alles billiger haben wollen. Doch das, was dabei gespart wird, zahlen wir bei der Krankenversicherung drauf. Denn unser Gesundheitswesen ist ja nicht deshalb so teuer, weil wir so gesund leben. Mit dem drastischen Vitaminverlust bei Obst und Gemüse verminderte sich auch deren Geschmack dramatisch. Wir können das ändern, wenn wir bei unserer Ernährung nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch darauf achten, was gut ist und uns gut tut.


Alfons Schuhbeck ist Fernsehkoch und Gastronomie-Unternehmer. Seine drei Wünsche sind erschienen in der Zeitschrift der Evangelische Landjugendakademie "Kirche im ländlichen Raum" 2/2010. "Segensreich ernten und essen - Erntedank 2010" lautet der Titel des aktuellen Heftes.