Starren auf Magdeburg

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Spiritus Blog mit Bettina Schlauraff
Geistvoll in die Woche
Starren auf Magdeburg
Die Autorin stellt fest, was besser als Starren ist und dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen wird.

Die Gallier hatten Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Das war so eine Art Weltuntergangsphobie. Unbekannte Situationen lösten bei ihnen Angst aus, es könnte gleich geschehen. 

An diesem Wahlwochenende starren alle auf Magdeburg. Sich angestarrt zu fühlen, ist ein schräges Gefühl. Die, die starren, fragen mich: "Was machst Du am Morgen danach?" Als wäre dann die Welt untergegangen und ich nicht mehr in meiner Wohnung mit dem schönen Holzfußboden und der alten Weide vor dem Fenster. Die, die starren, rufen mich mit Presseanfragen aus London an, aus München und aus Neuseeland: „Ob mir meine eigene Heimat un-heimlich geworden sei“, oder „ob Deutschland jetzt wieder ein faschistisches Land werde“, fragen sie. 
Das ganze ostdeutsche Land soll unbetretbar geworden sein. „Da kann man nicht mehr hin“, raunt man in Bremen und Ulm. Ein Besucher sagt: „Ich habe erstaunt gesehen, dass die Menschen hier friedlich in den Straßen umherlaufen!“ Die Medien senden auf allen Kanälen den lachenden AfD-Frontmann, während Experten gleichzeitig vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen und einem Sturm aufs „Capitol“ warnen.

… wir befinden uns im Jahr 2026. Ganz Deutschland starrt auf den Osten. Ganz Deutschland? Nein! Der Osten selbst starrt nicht. Er kämpft, feiert, lässt sich das Leben nicht nehmen, diskutiert, gründet, eröffnet, fährt Simson gegen die AfD, steht auf der anderen Seite der Straße, lädt ein, protestiert und singt zusammen. So viele Leute tun das. 

Ich bin aus dieser Erfahrung heraus überzeugt davon, dass eine Demokratie widerstandsfähig ist. Ein echter Ringkampf der Demokratie steht uns bevor, vermutlich keiner dieser bekannten strategischen Showkämpfe, sondern ein dreckiger schmerzvoller, echter Kampf. Aber das hält die Demokratie aus. Das glaube ich. Ich glaube, dass ein Rechtsstaat Kraft hat, diese Krise zu bewältigen. Nicht, dass die Verhältnisse eines reichen Landes des Nordens nicht auch kippen könnten. Auch ein reiches Land kann verwahrlosen. Nationalismus ist eine Art der menschlichen Verwahrlosung. 
Aber nach Wochen in Demokratiefesten und Seite an Seite mit Omas und Gewerkschaftlern, Menschen aus Kunst und Bildung und unheimlich vielen normalen Demokratiefreund:innen glaube ich in diesen Stunden daran, dass die Farbe Blau weiter mir gehören wird und Dir. Dass mir und uns das Leben nicht aus der Hand genommen ist. Dass die Versuche, die alten faschistischen Muster wieder zu erwecken und zum Gewinn zu bringen, keinen Erfolg haben werden. Denn es ist so: Wir werden sie besiegen. Das müssen wir. Das gebieten das Leben, die Würde aller, die Geschichte. 

Was ich uns heute, vor den Wahlergebnissen, noch wünsche? Die Resilienz von Obelix, der glaubte, in einen Zaubertrank gefallen zu sein (bist Du es nicht auch? Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes?) und der ohne Zögern gerechte Sachen in Angriff nahm. Ich wünsche uns seinen großen Appetit und die Lust, weiter mit anderen zu Tisch zu sitzen, denn dann ist die Welt immer schon ein wenig besser. Ich wünsche uns den Winzlingsmut seines Freundes Asterix, der wirklich nicht sehr groß, aber immer bereit war, für seine kleine Heimat alles zu geben. Das klingt pathetisch, irgendwie patriotisch und viel zu optimistisch. Aber ich glaube nicht an Himmel, die herunterfallen, sondern an Himmel, die uns aufheben und tragen. 

#challenge: Lass den Himmel Deinen Mut heben.

 

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