Kaffologie

Kaffologie

Heute mal wieder in einer Besprechung gewesen. Wo ist nur der Konferenzraum? In diesem Haus war ich noch nie. Ganz einfach zu finden: Immer der Nase nach. Denn natürlich stand der Kaffee schon bereit und verbreitete seinen Duft in der ganzen Etage.

Eine kirchliche Besprechung ohne Kaffee? Nahezu undenkbar. Früher, als Student, da sagte ich immer: Ich bin Tee-ologe. Aber damit ist es schon lange vorbei. Nicht so sehr wegen der wach machenden Wirkung, na ja, das vielleicht auch. Aber viel ausschlaggebender ist, dass es beinahe unmöglich ist, als nicht Kaffee trinkender Pfarrer zu überleben. Mache ich einen Geburtstagsbesuch, gibt's einen Kaffee. Und wehe, ich trinke kein Tässchen mit – dann sind die Leute persönlich getroffen. Anschließend geht's weiter zur Pfarrkonferenz – natürlich wird auch da Kaffee getrunken. Nur bei abendlichen Terminen geht's ohne.

Manchmal denke ich mir, wenn Jesus heute das Abendmahl einführen würde, er würde Kaffee statt Wein nehmen. Und das hat auch seine Berechtigung: Gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken stiftet Gemeinschaft. Ob beim Geburtstagsbesuch, bei der Pfarrkonferenz oder bei der ökumenischen Besprechung, auf der ich heute war. Wer keinen trinkt, ist außen vor. Ich hab's erlebt, als ich einmal in der Fastenzeit sieben Wochen auf Kaffee verzichtet habe. Das Schwierigste war gar nicht der Verzicht, sondern dass ich bei jeder Gelegenheit erklären musste, warum ich jetzt keinen Kaffee trinke. „Ach, Herr Pfarrer, aber ein Tässchen kann doch nicht schaden!“

Ja, ich glaube, Jesus würde Kaffee nehmen fürs Abendmahl, wenn er heute lebte. Tut mir Leid für die Teetrinkerinnen und Teetrinker – aber Tee ist oft nicht mal vorhanden bei kirchlichen Veranstaltungen. Vielleicht gäbe es dann ähnliche Diskussionen wie ums alkoholfreie Abendmahl: Dürfen Nicht-Kaffee-Trinker auch Tee trinken? Muss es schwarzer Tee sein, der mit dem Teein ja immerhin eine Abart des Koffeins enthält? Darf man es auch mit Früchtetee feiern? Zum Glück sind diese Diskussionen unnötig. Kaffee gibt's auf Konferenzen und Geburtstagsfeiern, beim Abendmahl nehmen wir weiter Wein – oder eben auch mal Traubensaft.

Übrigens: Viele Gemeinden setzen mittlerweile auf fair gehandelten Kaffee. Die Aktion „Brot für die Welt“ hat vor einiger Zeit eine Kampagne gestartet „1000 Gemeinden trinken fair“. Auch in meiner damaligen Gemeinde hängt nun so ein Schild: Wir trinken fair gehandelten Kaffee. Ohne moralisch werden zu wollen: Damit schmeckt er mir nochmal so gut.

So, ich muss los, die nächste Konferenz wartet auf mich. Ich kann sie schon riechen...

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