Sie gab einst Elvis Presley einen Korb. Der "King" wollte 1974 den Song "I Will Always Love You" aufnehmen, den Dolly Parton geschrieben hatte. Doch Elvis' Manager beanspruchte die Hälfte der Verlagsrechte. Sie entschied, ihre Songs selbst zu vermarkten und dies machte sie letztlich zu einer der reichsten Frauen im Showbusiness. Nun ist die "Queen" der Countrymusik am Dienstag ihrer Heimatstadt Nashville gestorben, wie ihre Familie in den Sozialen Medien mitteilte.
Parton litt seit einiger Zeit unter gesundheitlichen Problemen. Die Frau, die in ärmlichen Verhältnissen als eines von zwölf Kindern einer Bauernfamilie im US-Staat Tennessee geboren wurde, hatte viele Facetten. Sie habe mit blonder Perücke, viel Make-up, rotlackierten Fingernägeln und Stöckelschuhen zwar den Look einer "Hinterwald-Barbie", sagte die glamouröse Sängerin einst über sich. Doch Dolly Parton war kein "dummes Blondchen", wie sie ihre erste Single "Dumb Blonde" (1966) selbstironisch betitelte. Vielmehr war sie eine harte Geschäftsfrau, die zielstrebig ihre mehr als 60-jährige Karriere als Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin vorantrieb.
Sie habe immer ein Star werden wollen, betonte die Frau mit dem breiten Südstaaten-Akzent in Interviews. Sie baute sich ein rund 650 Millionen US-Dollar schweres Geschäftsimperium auf. Mit "Dollywood" besaß sie in ihrer Heimatregion in den Great Smoky Mountains einen Vergnügungspark mit eigenem Museum. Auch brachte sie eine eigene Kosmetik-Marke heraus. Vor allem aber war Parton als genreüberschreitende Musikerin erfolgreich: Sie verkaufte mehr als 100 Millionen Alben - mehr als jede andere Frau. Junge Stars wie Taylor Swift oder ihr Patenkind Miley Cyrus führen sie als Vorbild an.
Queere Community zollt Respekt
Schon als kleines Mädchen schrieb Dolly Parton eigene Songs zur Gitarre. Ihr Ziel war es, als Country-Sängerin reich und berühmt zu werden. Mit 16 Jahren zog sie in die Country-Hauptstadt Nashville, arbeitete dort zunächst als Songschreiberin für andere Künstler. Der Sänger Johnny Cash riet ihr, in der männerdominierten Welt der Countrymusik ihren eigenen Weg zu gehen. 1967 brachte Parton ihr Debütalbum "Hello, I'm Dolly" heraus.
Der Country-Star Porter Wagoner wurde auf sie aufmerksam und ebnete ihr den Weg zum Ruhm: Er verpflichtete die Sängerin für seine populäre Fernseh-Show, die Song-Duette waren beim Publikum beliebt. Parton schrieb weiter eigene Songs, mit Texten, die oft aus ihrem eigenen Leben stammten. "Coat Of Many Colors" (1971) etwa beschreibt die Liebe zu einem Mantel, den ihr die Mutter als Kind aus Lumpen zusammennähte. In der Ballade "Jolene" (1973) fleht die Protagonistin eine Frau an: "Bitte nimm mir nicht meinen Mann." Der Song wurde Partons erster Nummer-eins-Hit in den USA.
Sieben Jahre blieb sie bei ihrem musikalischen Partner Wagoner - und schwamm sich 1974 als eigenständige Künstlerin mit der Ballade "I Will Always Love You" frei: Fast 20 Jahre später nahm die Popsängerin Whitney Houston den Song für den Film "Bodyguard" mit Kevin Costner erneut auf. Er wurde zu einem Welthit, an den Tantiemen verdiente Parton bestens.
Ihre Fans schätzten die positive Ausstrahlung der Sängerin, die trotz ihres Erfolgs als bodenständig galt. Fast 60 Jahre lang war sie mit ihrem Ehemann Carl Dean verheiratet, der im Frühjahr 2025 starb. Mit einer eigenen Stiftung unterstützte sie unter anderem ein Leseförderprogramm für Kinder. "Träume, nicht Wünsche werden wahr - mit einer Menge harter Arbeit", sagte die gläubige Christin. "Ich habe viel Selbstbewusstsein durch meinen Glauben, dass Gott mich liebt, egal, was ist."
Mit politischen Äußerungen hielt sich Parton zurück, doch machte sie sich für die Gleichstellung von Frauen stark. In dem Film "Nine to Five" (deutsch: "Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?") spielte sie 1980 an der Seite von Jane Fonda eine Frau, die mit ihren Kolleginnen gegen ihren despotischen Chef ankämpft.
Für die queere Community ist Parton, die zu ihren Schönheitsoperationen steht, nicht nur eine Stilikone. Respekt wird ihr dafür gezollt, dass sie sich für geschlechtliche Vielfalt aussprach - und dafür sogar Morddrohungen bekam. Für den Film "Transamerica (2005) über eine Transgender-Person schrieb sie einen Song. "Ich denke, alle sollten sein dürfen, wer sie sein wollen und lieben, wen sie wollen", kritisierte sie konservative Christen, die gegen die LGTBQ-Bewegung wettern.
"Ich bin ein Arbeitspferd, das wie ein Showpferd aussieht", sagte Dolly Parton. Diesen Dezember soll am New Yorker Broadway ihr Musical "Dolly: A True Original Musical" über ihre Lebensgeschichte starten. Ihren letzten Auftritt hatte Dolly Parton im März anlässlich des 40-jährigen Bestehens von "Dollywood".



