Endlich! School's out for summer! Legendär gerockt von Alice Cooper. Seit heute auch bei uns in Bayern. Es sind herrliche Zeiten. Schwimmen gehen, Bergsteigen, Nichtstun, Lesen. Sogar die Berliner Republik ist in der Sommerpause. Wer will sich auch schon mit Politik befassen, im August.
Doch es ist nicht mehr, wie es einmal war. Die Zeit der Leichtigkeit ist vorbei. Heute ist es eine Zeit der Sorgen. Der Sommer hat seine Unschuld verloren. Eine Rekordhitze hat die Welt erfasst. Nicht nur in Südeuropa, auch bei uns. Mit gravierenden Folgen, die gern vergessen werden, wenn es kühler wird.
Alte und Kranke werden evakuiert, weil Heime und Spitäler keine Klimaanlagen haben. Die Schienen der Straßenbahnen biegen sich. Der Asphalt auf den Straßen hebt sich und wird zum gefährlichen Hindernis. Wälder brennen überall. Atomkraftwerke werden abgeschaltet. Die Ernte verdorrt. Am furchtbarsten aber ist die Zahl der Toten. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben in Deutschland bisher fast 10.000 Menschen an den Folgen der Hitze in diesem Jahr.
Die Politik sollte auf den Barrikaden sein. Ist sie aber nicht.
Die Klimaziele werden nach hinten verschoben, weil das Wachstum der Wirtschaft angeblich wichtiger ist. Der Bundesumweltminister sagt, er sei nicht zuständig, und verweist auf die Länder und Kommunen. Doch die haben kein Geld. Der Bundeskanzler weigert sich, die Hitzewelle zur Chefsache zu machen, weil es „das Wetter nicht ändern würde“, wie sein Sprecher süffisant lächelnd mitteilte. Der Mann hat keine Ahnung. Es geht nicht um das Wetter, sondern um den Klimawandel. Nicht nur das ist Merz und seinem Sprecher egal. Auch die Menschen, die leiden, spielen keine Rolle. Niemand erwartet, dass der Bundeskanzler das Problem von heute auf morgen löst. Es geht um Mitgefühl. Verständnis. Solidarität. Und nicht Ignoranz. Doch auch bei der Sommer-Pressekonferenz Mitte Juli sagte Merz bloß, er werde „die Lage weiter beobachten und gegebenenfalls auch etwas öffentlich dazu sagen“. Das grenzt fast schon an Arroganz.
Auf die Spitze trieb es der bayerische Ministerpräsident. Als das Thermometer die 40-Grad-Marke überschritt, postete er ein Video aus dem Schwimmbad und frohlockte in sein Smartphone: „Bei der Hitze hilft Schwimmengehen.“ Und dann wieder, diesmal ein Foto, kurz nachdem die Zahl der Hitzetoten bekannt wurde.
Die Empathielosigkeit ist erschreckend zynisch. – Besonders bei Politikern, die Vorsitzende „christlicher“ Parteien sind.
„Niemals, so lange die Erde besteht, werden Kälte und Hitze aufhören.“ Der Satz stammt nicht aus dem Jahr 2026. Er steht im Alten Testament. (Gen 8,22) Drastischer geht es an anderer Stelle zu. Da verbrennen die Menschen „in der großen Hitze“. (Offb 16,9) Als hätten die biblischen Autoren unsere Zeit vorausgesehen.
Es gibt aber auch Tröstliches in der Heiligen Schrift. „Wird nicht Tau die Hitze beenden?“, lautet eine Frage. (Sir 18,16) Natürlich! Und an anderer Stelle: Gott ist „ein Schatten vor glühender Hitze“. (Jes 25,4)
All diese Sätzen sollten die Herren der C-Parteien einmal zur Kenntnis nehmen, schließlich haben sie jetzt ja Zeit. Handeln müssen sie freilich selbst. Da hilft ihnen auch die Bibel nicht.



