Glaube und Theologie

Wissenschaft, Überlieferung, Auslegung, Diskussion, Bibel und zentrale Texte - nur einige Facetten der Theologie.
Lieber Pastor Muchlinsky,

oft stelle ich fest, dass der Glaube von evangelischen Christen sehr stark voneinander abweicht. Nehmen wir auf der einen Seite das "evangelikale" Spektrum, auf der anderen Seite das "liberale". Viele Glaubensüberzeugungen der jeweiligen Seite sind mit denen der anderen schlichtweg nicht kompatibel. Ich persönlich schwanke zwischen den verschiedenen Positionen hin und her und habe häufig den Gedanken "Wenn jener recht hat, dann liegt dieser völlig falsch." Dies treibt mich insbesondere um im Hinblick auf Wunder, Auferstehung, Inspiration der Schrift und Exegese. Die Kirche selbst scheint sich hier nicht klar zu positionieren - wahrscheinlich um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Ich habe größte Schwierigkeiten meinen Platz zu finden, da ich immer "zwischen den Stühlen" stehe. Häufig erlebe ich eine schreckliche Ignoranz von evangelikaler Seite, welcher eine schreckliche Überheblichkeit der anderen gegenüber steht. Viele Aussagen von konservativer Seite machen mir nicht nur Angst, sondern erfüllen mich gleichermaßen mit Wut und Abscheu (Homosexualität, Sünde, Frauenbild etc.), Erklärungsmodelle vieler Theologen hingegen beziehen sich oftmals nicht auf die Bibel, sondern scheinen einem säkularen Geist Rechnung zu tragen und scheinbar wichtige biblische Aspekte werden mit einem Lächeln uminterpretiert. Diese Umstände verunsichern mich zutiefst und ich fühle mich dadurch in einem Glaubensdilemma. Haben Sie eine Idee, wie ich dies überwinden kann? Können Sie mir bei meinem Problem helfen?

Herzlichen Dank im Voraus!