In Hamburg stand die große queere Parade nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin unter besonderer Beobachtung. Das Motto der Pride Parade "Solidarisch queer! Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!" ist wohl auf offene Ohren in der Mehrheitsgesellschaft gestoßen. Auf der Straßendemo gab es auch einen Truck von der Evangelischen Kirche Hamburg sowie einen Truck der Pride Parade aus Berlin, die ganz in schwarz gekleidet waren.
Mit dabei auf der Parade war auch der queere, katholische Religionspädagoge Jens Ehebrecht-Zumsande, der sich in Medien immer wieder gegen Diffamierungen von Menschen aus der LGBTQ-Gemeinschaft ausgesprochen hat. Lange habe er auf eine breite Solidaritätsaktion aus der Leitungsebene der katholischen Kirche gewartet. Nun habe sich neben anderen Bischöfen auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hinter die politische Demo der Pride Parade gestellt.
Im Gespräch mit evangelisch.de begrüßte Ehebrecht-Zumsande die Solidarität des Bischofs. Der Religionspädagoge sagt, dass hinter dem Anschlag in Berlin zwar ein religiöser Extremist stünde. Aber die Gewalttat gegen Queere könne "nicht nur unter einer Islamismus-Debatte" verhandelt werden.
"Wir haben auch fundamentalistische, sehr queerfeindliche Diskussionen in unserer Kirche, und ich glaube, wir brauchen da insgesamt eine Diskussion über religiösen Extremismus". Diese christlichen Gruppen seien "in verbaler Gewalt" auch nicht gerade zurückhaltend, so der Religionspädagoge. Es sei wichtig, in der Gesellschaft über diese religiösen Strömungen zu diskutieren.
Querfeindliches aus dem Umfeld der Kirche
Viele Jahre lang hat der queere Religionspädagoge, der im Hamburger Erzbistum angestellt ist, die Hetze gegen seine Homosexualität selbst erlebt. Anfeindungen und Drohungen landeten auf seinem Anrufbeantworter oder anonyme Beschwerden trafen bei seinem obersten Dienstherrn, dem Erzbischof, ein.
Erst nach vielen Jahren konnte Ehebrecht-Zumsande seinen Partner heiraten, weil das zuvor ein Kündigungsgrund in der katholischen Kirche war. Ehebrecht berichtet, dass sich aus dem Verein "Out in Church" viele Queere auf den Weg nach Hamburg gemacht haben, zur Unterstützung des CSD im Norden.
Es bewegt sich also doch etwas. Nach dem islamistischen Anschlag auf queere Menschen in Berlin beim CSD konnte man in Hamburg auf dem CSD viele Solidaritätsbekundungen aus der Mehrheitsgesellschaft hören. Viele Menschen hätten sich auf dem Weg gemacht, um die politische Parade für queere Rechte zu unterstützen und gegen Gewalt ein Zeichen zu setzen.
Der Sprecher der Hamburg Pride Parade, Manuel Opitz, beobachtet, dass sich die queere Community nach dem tödlichen Anschlag auf den CSD in Berlin zu einer Haltung des "jetzt erst recht" gekommen sei. Am Ende der Parade meldeten die Veranstalter eine Rekord-Teilnehmerzahl von rund 300.000 Menschen, die zur queeren Parade in die Hansestadt gekommen seien.



