Deutsche Kirche in New York in Not

Die Deutsche Evangelisch-Lutherische St. Pauls Kirche in Chelsea mit Baugerüst
epd-bild/Mirjam Rüscher
Die Deutsche Evangelisch-Lutherische St. Pauls Kirche in Chelsea mit Baugerüst.
"Ich suche sieben Millionen Dollar"
Deutsche Kirche in New York in Not
Die deutsche evangelische St. Pauls Kirche in New York muss dringend saniert werden. Knapp neun Millionen Euro werden die Baumaßnahmen voraussichtlich kosten. Pastor Lars Reimann setzt alles daran, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten.

Die Fenster der Türme sind mit Holzplatten verschlossen, das Gemäuer mit Metallklammern gesichert, die Front der Kirche größtenteils von einem Baugerüst verdeckt: Das Zuhause der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in New York ist vom Verfall bedroht. Die St. Pauls Kirche muss dringend saniert werden.

Etwa zehn Millionen US-Dollar - umgerechnet rund 8,7 Millionen Euro - sind für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes im Stadtteil Chelsea veranschlagt. Woher das Geld kommen soll, das weiß der Pastor der Gemeinde, Lars Reimann, auch noch nicht so genau. "Durch Fundraising haben wir 2024 1,6 Millionen US-Dollar zusammenbekommen, davon konnten wir 2025 erste wichtige Baumaßnahmen durchführen", sagt Reimann, der seit vier Jahren in New York ist.

Insgesamt hat er bis heute 2,5 Millionen zusammen, doch nun "verlangsamt sich das Finden von Geld erheblich", so Reimann. Deshalb hofft er unter anderem auf Fördergelder aus dem deutschen Bundeshaushalt. Immerhin ist St. Pauls die letzte verbliebene deutsche Gemeinde in New York, ein Ort, wo Deutsche und Deutschsprechende eine Heimat finden und alle Gottesdienste auf Deutsch stattfinden.

Das Gebäude stammt von 1897. "Es ist ein Stück deutsche Identität in Amerika, das es wert ist, erhalten zu werden", sagt Reimann. Dass die Gemeinde überhaupt bis heute existiert, sei erstaunlich. Viele andere Einwanderergemeinden mussten irgendwann die Türen für immer schließen. Der Norddeutsche nennt es einen "historischen Zufall".

1841 wurde die deutsche St. Pauls-Gemeinde in New York unter dem Namen "United German Evangelikal Lutheran Church in the City of New York" gegründet. Deutsche Einwanderer, die in der bereits existierenden St. Matthäus-Kirche keine Heimat fanden, kamen am 22. August das erste Mal zusammen. Mit den vielen deutschen Auswanderern, die New York regelrecht fluteten, wuchs die Gemeinde schnell, sodass die Kirche von 1842 bald aus allen Nähten platzte. 1860 entstand deshalb ein Neubau mit 1.000 Plätzen.

Als Jahrzehnte später direkt neben der Kirche die Hochbahn errichtet wurde, zog die Gemeinde ins heutige Chelsea um. Dort entstand 1897 eine kleinere Kirche im neuen gotischen Stil. Heute ist das Gotteshaus eines der ältesten deutschen Gebäude in der Stadt.

Alles geplant und genehmigt

Von der einst großen Gemeinde ist nur ein kleiner Kern geblieben. Rund 50 Haushalte gehören heute noch zu St. Paul. "Unter der Pandemie und Personalwechseln hat die Gemeinde sehr gelitten. Aber jetzt wachsen wir wieder", sagt Lars Reimann. Die finanzielle Lage sei schwierig gewesen, als er seine Stelle antrat. In den letzten Jahren hat sich die Gemeinde finanziell aber sehr gut entwickelt und kann ihr eigenes Gemeindeleben bezahlen - nicht aber die Kirchensanierung. In acht Jahren geht Reimann in den Ruhestand, sein Ziel ist es, bis dahin nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt, sondern auch ein saniertes Gebäude zu haben.

Wie dringend die Sanierung ist, zeigt ein Blick auf den Zustand der Kirche. "Das Gebäude ist historisch schön, aber komplett im Eimer", bringt Reimann es auf den Punkt. Bereits vor 30 Jahren habe man in der St. Pauls-Gemeinde gewusst, dass es gravierende Probleme gebe. Weil New York in einem Erdbebengebiet liegt, mussten im vergangenen Jahr erstmal die beiden Türme der Kirche gesichert werden. Sie gelten seit rund 20 Jahren als Sanierungsfall und waren zuletzt zu einem Sicherheitsrisiko geworden.

Allein die Sicherung der Türme kostete 100.000 US-Dollar, weitere 800.000 flossen in die Dächer und andere Sanierungsarbeiten. Gerade wird die Südfassade in Angriff genommen, drei Millionen werden die Arbeiten kosten. Zwei davon fehlen der Gemeinde noch. Für die weiteren drei Fassadenseiten sind insgesamt zwei Millionen veranschlagt und dann noch ungefähr fünf Millionen für die Arbeiten im Innenraum.

 

"Vor 30 Jahren dachte man, die Reparaturen würden eine Million Dollar kosten, vor 20 Jahren waren es vier, heute wissen wir, es werden zehn", so Reimann. Es gibt ein dickes Gutachten zu den Schäden und notwendigen Maßnahmen am Gebäude. "Würde ich heute zwei Millionen finden, könnte ich morgen weitere Baumaßnahmen veranlassen", sagt Reimann. Es ist alles geplant und genehmigt.

Die Zukunft der Gemeinde hängt an ihrer Kirche, betont Lars Reimann. Sie ist für St. Paul identitätsgebend. Doch nicht nur das Gemeindeleben hängt an der Kirche: Das Gebäude und seine Geschichte selbst sind ein wichtiger Teil des deutschen Erbes in New York. Die Aufgabe sei gewaltig. Trotzdem bleibt Reimann optimistisch, das ist sein Naturell. Bislang haben ihn Zuversicht und Glaube noch nie im Stich gelassen. "Ich kann gut schlafen, aber ich suche auch noch sieben Millionen US-Dollar."