Ambient Waves Festival, Nazareth-Projekt, Haus der Kulturen und Religionen: Die Münchner Protestanten suchen seit Jahren eine Neu- oder Nachnutzung für die evangelische Nazarethkirche in der Parkstadt Bogenhausen, die im Zuge der Fusion mit der Immanuelkirche Denning als Standort aufgegeben wurde. Aktuell ist die Vermietung an eine orthodoxe Gemeinde im Gespräch. Die CSU-Ortsgruppe hat deshalb per Hauswurfsendung für den 6. Juli zu einem Anwohnergespräch eingeladen - weil Stadtplanung "nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht werden" dürfe, wie es in dem Schreiben heißt, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.
Unterzeichnet haben die Einladung der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper, Stadtrat Jens Luther und Florian Ring, Mitglied des Bezirksausschuss Bogenhausen. Die evangelische Kirche plane "die Verpachtung oder den Verkauf der Liegenschaft an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde mit 2.500 Mitgliedern in Bayern", heißt es in dem Brief. Ihn hätten dazu zahlreiche Bürgeranfragen erreicht, sagte Brannekämper, der auch CSU-Fraktionssprecher im Bezirksausschuss Bogenhausen ist, auf epd-Anfrage. "Jetzt sammeln wir das und lassen es juristisch klären", so der Politiker.
Die Nazarethkirche sei bislang "eine örtliche evangelische Kirche", bei einer Vergabe an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde sei sie "in Zukunft keine örtliche evangelische Kirche mehr", erklärte Brannekämper. Wenn es um die planerische Umnutzung gewachsener Stadtteilstrukturen gehe, brauche es "Offenheit, Respekt der Anwohnerinteressen und den ernsthaften Willen zum Dialog", heißt es im Einladungsschreiben. Von der evangelischen Kirche hat die CSU bislang aber noch keinen Vertreter zu dem Gesprächsabend eingeladen, bestätigt Brannekämper. Man müsse das intern noch klären. Diese Aussage ist inzwischen von der Realität eingeholt worden. Die Bitte des evangelischen Stadtdekans Bernhard Liess, bei der Veranstaltung auch sprechen zu dürfen, wurde mittlerweile offenbar abgelehnt.
"Fremdenfeindlicher Unterton"
Liess verwies darauf, dass die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde bayernweit zwar tatsächlich 3.500 Mitglieder habe, in München jedoch nur rund 350. "Zu großen Festen kommen etwa 400 Menschen", so Liess. Ein Info- und Begegnungsabend für das Stadtviertel sei geplant, aber vor Vertragsabschluss nicht sinnvoll - und der verzögere sich derzeit unter anderem wegen eines benötigten Gutachtens zum Gebäudezustand. Schon bislang nutzen die äthiopischen Christen, die auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) sind, mit dem ehemaligen Gemeindezentrum in München-Moosach evangelische Räumlichkeiten.
Pfarrer Markus Rhinow, der direkt neben der Nazarethkirche wohnt und von dem geplanten Anwohnergespräch der CSU-Ortsgruppe nur durch Zufall erfahren hat, spürt ein "leises Rumoren" im Stadtviertel gegen die geplante Vergabe an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde. Manche hätten Angst vor Lärm oder zu viel "Traffic" - er befürchte aber, dass manchmal auch ein "subtiler fremdenfeindlicher Unterton" mitschwinge, sagt der Pfarrer.
"Asyl" für Katholiken und Koreaner
Dazu hat der Stadtdekan eine klare Haltung: "Christentum in München ist nicht nur evangelisch und katholisch - es ist vielfältig, und gerade Gemeinden wie die der Äthiopier tragen viel zu einem guten Zusammenleben in der Stadt bei", erklärte Liess. An der Nutzung in Nazareth ändere sich nichts: "Statt der evangelischen oder der katholischen Christen feiern dann eben äthiopisch-orthodoxe Christen dort Gottesdienst."
In der Parkstadt ist man das eigentlich gewohnt: Schon in den letzten Jahren war die evangelisch-koreanische Gemeinde wöchentlicher Gast in Nazareth. "Keiner hat sich jemals darüber beschwert", sagt Pfarrer Markus Rhinow. Die jüngste "Fremdnutzung" der denkmalgeschützten Kirche endet an diesem Sonntag (5. Juli): Dann feiert Münchens wohl bekanntester Pfarrer Rainer Maria Schießler, dessen eigene Kirche St. Maximilian wegen Sanierungsarbeiten derzeit geschlossen ist, eine "Viecherlmesse" in Bogenhausen.
Er sei "unendlich dankbar" für die Möglichkeit, die evangelische Kirche seit Dezember 2025 nutzen zu können, sagte Schießler auf epd-Anfrage. "Der Raum war für uns ideal", die Gottesdienste seien jeden Sonntag mit über 250 Menschen "gut gefüllt" gewesen. Da er seine Gemeinde zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel aufgefordert habe, habe es keine Parkplatzprobleme gegeben. Auch ansonsten habe er positive Rückmeldungen aus dem Viertel bekommen: "Die Menschen waren dankbar, dass es hier ein Stück weit weitergeht." Er ziehe jetzt mit seiner Gemeinde wieder ab. Wenn die äthiopische Gemeinde Verwendung für das Kirchengebäude habe, sei das eine gute Fügung.




