Wenn am Pfingstmontag (25. Mai) Christ:innen an vielen Orten internationale Gottesdienste feiern, steht das für den Geist von Pfingsten. Allein in der Stuttgarter Stiftskirche kommen Menschen aus der arabischen Welt, aus Eritrea, Griechenland, Mazedonien, Lettland, Kamerun und Ghana sowie aus Ungarn, Korea, Pakistan und Indonesien zu einem "Fest der weltweiten Kirche" zusammen. Denn Pfingsten ist ein internationales Fest: Die Bibel berichtet über das "Pfingstwunder": Die Jünger Jesu konnten in verschiedenen Sprachen sprechen und wurden von allen verstanden (Apostelgeschichte 2,1-16).
Sprachen und Traditionen vereinen sich zu einem großen Konzert
An diese Tradition knüpfen zahlreiche Kirchengemeinden in Deutschland an. So findet etwa bereits seit Jahrzehnten in Berlin-Schöneberg ein großer mehrsprachiger ökumenischer Open-Air-Gottesdienst vor dem Rathaus statt.
Das Pfingstgeschehen in der Bibel, sagt Barbara Hustedt, Pfarrerin für Ökumene und Weltmission im Berliner Missionswerk, sei Anlass, mit allen christlichen Konfessionen nach draußen zu gehen und gemeinsam Pfingsten zu feiern. "Dabei vereinen sich Sprachen und Traditionen zu einem großen Konzert, das von Gott erzählt."
Auch in Frankfurt am Main findet ein Freiluftgottesdienst auf dem Römerberg mit einem anschließenden internationalen Fest im Dominikanerkloster statt - "als sichtbares Zeichen der weltweiten Kirchengemeinschaft, welches wir zu Pfingsten besonders feiern", sagt Nina Reimas von der Evangelisch-lutherischen St. Paulsgemeinde in Frankfurt.
Eritreischer Christ froh über Gottesdienst in vielen Sprachen
Mehreteab Zeccarias von der Eritreischen Gemeinde Stuttgart ist im Vorbereitungsteam für das "Fest der weltweiten Kirche" in Stuttgart. Der Ingenieur schätzt den Austausch mit seinen "Glaubensgeschwistern aus den verschiedenen Gemeinden", den es gerne noch öfter geben sollte, wie er findet.
Bei dem internationalen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche wird ein Bibelvers in verschiedenen Sprachen vorgelesen - auch in der Sprache seiner Gemeinde, in Tigrina. Und er freue sich als "Musikfan" über die Lieder in unterschiedlichen Sprachen. "Damals haben die Jünger durch den Heiligen Geist verschiedene Sprachen sprechen und verstehen können. Da passt es doch ganz gut, dass wir auch einen Gottesdienst in unterschiedlichen Sprachen feiern."
Ein Team der arabisch-evangelischen Gemeinde in Stuttgart bietet beim Fest der Stiftkirche syrisches Essen an. Heidi Josua leitet die Gemeinde und schätzt an dem besonderen Treffen am Pfingstmontag, "dass wir an Aspekte der anderen Kirchen erinnert werden, die wir selbst nicht haben oder nicht so betonen." So feiert beispielsweise die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien, die auch in Stuttgart mit dabei ist, Pfingsten erst am 31. Mai - und begeht es auf besondere Weise.
Syrisch-orthodoxe Christen werden an Pfingsten nass
Die syrisch-orthodoxe Christin Linda Güven erklärt beim Gang durch die Kirche "Mor Petrus und Paulus" im württembergischen Bietigheim ihre Pfingst-Tradition: An diesem Festtag wird eine Wanne mit Wasser und Walnusszweigen geweiht und der Priester spricht: "Möge der Heilige Geist auf euch kommen." Anschließend wird das geweihte Wasser durch die Gemeinde getragen und die Gottesdienstbesucher werden mithilfe der Walnusszweige mit Wasser besprengt. "Das Wasser ist ein Symbol des Lebens. So wie der Heilige Geist eben auch Leben spendet", erklärt die syrisch-orthodoxe Religionslehrerin.
Nachmittags sei es üblich, dass die Familien sich zu Hause mit Wasser bespritzten und dazu "rischesch" sagen, was auf Aramäisch "ausgießen" bedeutet. "Das ist dann schon fast wie eine Wasserschlacht und eine spielerische Art, die Herabkunft des Heiligen Geistes zu feiern", erzählt Güven.
Pfingsten löst die starren Grenzen von Nationen und Sprachen auf
"Pfingsten war von Anfang an international", sagt Heidi Josua. Sie finde es sehr schade, dass es in Kirchengemeinden oft eine "Monokultur" gebe. Pfingsten habe die Grenzen von Nationen und Sprachen aufgeweicht, weil der Geist Gottes alle Christen miteinander verbinde. Gerade in einer Zeit, in der viele Nationalismen auftauchten, sei es wichtig, daran zu erinnern, dass die Menschenwürde nicht an eine Nation und Sprache gebunden sei, sondern von Anfang an universal sei, sagt sie: "Das sollte gerade für Christen selbstverständlich sein und sich auch zeigen."




