TV-Tipp: "My Ex"

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6. Mai, ZDFneo, 21.45 Uhr
TV-Tipp: "My Ex"
Als Kinofilm könnte "My Ex" mit dem Slogan "Neun romantische Komödien zum Preis von einer" werben.

Auf der Suche nach ihrer großen Liebe durchlebt Mittdreißigerin Ivy noch mal die wichtigsten Beziehungen ihres bisherigen Lebens. Allerdings hat sie gemäß einer Prophezeiung nur drei Monate Zeit, um ’rauszufinden, bei wem der Laufpass die falsche Entscheidung war; andernfalls werde sie den Rest ihres Lebens einsam und unglücklich bleiben. Also stürzt sie sich Hals über Kopf erneut in jene Abenteuer, die sie damals für einen Irrweg hielt. 

Was in der Theorie nach besten Voraussetzungen für eine abwechslungsreiche Serie klingt, ist in der Umsetzung bloß bedingt gelungen, weil "My Ex" in vielerlei Hinsicht unnötig "drüber" ist. Das knallbunte Szenenbild und die farbenfrohe Kostüme sorgen immerhin für einen speziellen Look. Die gefühlt mehreren Dutzend Popsongs, oftmals nur wenige Sekunden angespielt, wirken dagegen wie ein Versuch, sich an die Zielgruppe ’ranzuschmeißen. Das ist schade, denn die Serienmusik (Nicolai Krepart) ist richtig gut. Mit dem akustischen Overkill ließe sich leben, aber für die Führung der Mitwirkenden gilt das nur mit Einschränkungen: Einige weibliche Ensemble-Mitglieder agieren in mancherlei Hinsicht unnötig exzessiv, was sich gerade zu Beginn in Lautstärke und allzu großem mimischen Eifer äußert. Übertriebene Betonungen, gern auch an den falschen Stellen, lassen die sprachlichen Leistungen mitunter wie eine Zeichentricksynchronisation klingen. Die männlichen Figuren sind zum Teil ähnlich extrem angelegt, aber nicht auch noch darstellerisch überzogen. Dieses Ungleichgewicht widerspricht zudem der Haltung der Serie. Regie führte zwar ein Mann (Tarek Roehlinger), doch die Bildgestaltung soll sichtlich den klassischen männlichen Blick ("male gaze") auf weibliche Körper konterkarieren: Nackt sind hier die Männer; die Kamera (Anne Bolick) gönnt sich auch mal einen Blick aufs (allerdings verpackte) Gemächt.

Dass "My Ex" trotzdem Spaß macht, liegt neben den prominenten Episodengästen (unter anderem Benno Fürmann und Almila Bagriacik) an der Konzeption, die Elena Hell und Marcus Pfeiffer jedoch nicht erfunden haben: Die Serie basiert auf einem israelischen Vorbild mit dem internationalen Titel "Mythological Ex". Die Handlung beginnt mit einem Schluss: Beim Besuch im Planetarium beendet Ivy (Palina Rojinsky) die Beziehung zu Chris (August Wittgenstein), weil sie seine Unverbindlichkeit satt hat. Später wird sie durch die Neonreklame "Es gibt keine Zufälle!" auf den Wohnwagen eines Wahrsagers aufmerksam. Das ist auch ihr Lebensmotto, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf: Ein Karton mit Erinnerungsstücken wird zur Büchse der Pandora, denn nun klappert sie Folge für Folge ihre früheren Liebschaften ab und macht prompt die gleichen frustrierenden Erfahrungen macht wie einst.

Die entsprechenden Szenen sind gerade wegen der Gegenüberstellung von Gegenwart und Vergangenheit witzig: Immobilienmakler Paul (Tim Oliver Schultz) zum Beispiel, damals ein verhätscheltes Muttersöhnchen, ist seit kurzem Waise, deshalb soll Ivy in die Mutterrolle schlüpfen. Im Fall von Leo (Vladimir Korneev) hat sich die kurzfristige Hochzeitsabsage hingegen für beide Seiten als genau die richtige Entscheidung erwiesen. Trotzdem sorgt Leo für emotionale Turbulenzen, denn er will Philipp nach Japan locken. Philipp (Helgi Schmid) ist Ivys Kindheitsfreund und ein Fels in der Brandung ihres chaotischen Lebens. Er lebt zwar mit Flo (Caro Cult) zusammen, stellt aber fest, dass ihm Leos Job-Angebot gar nicht passt; und die neuerlichen Avancen von Chris ebenfalls nicht.

Die ohnehin überflüssige Exaltiertheit der Anfangsfolgen lässt zum Glück irgendwann nach, zumal die Handlung nicht zuletzt aufgrund eines Kindheitstraumas, bei dem ein Abschied am Flughafen eine wichtige Rolle spielt, zunehmend zum Drama wird. Nun mehren sich auch die berührenden Momente, an denen stets Jörg Schüttauf in seiner sehr schön gespielten Vaterrolle beteiligt ist. Nervig bleibt allerdings der in der Pubertät stecken gebliebene Bruder Jobst (Max Schimmelpfennig), der sich bei Philipp eingenistet hat. Ohnehin tragen sich weite Teile der Handlung in den zwei Wohnungen zu, die wie die Studiokulisse einer täglichen Serie wirken. Auch deshalb sind die verschiedenen Ausflüge nicht nur in die Vergangenheit eine willkommene Abwechslung, zumal Maske und Kostüm Ivy jedes Mal in einem gänzlich anderen Stil präsentieren. In der zweiten Hälfte lebt "My Ex" (mittwochs in Doppelfolgen) zudem von der tatsächlich lange offenen Frage, wer das Rennen machen wird.