Zu Fuß von London bis zur Amtseinführung in Canterbury

Erzbischöfin Mullally kommt  mit Pilgerstab aus der St. Pau´ls Kathedrale in London.
Neil Turner
Die Pilgerreise der Erzbischöfin Mullally beginnt in der St. Pau´ls Kathedrale in London.
Erzbischöfin Mullally pilgert
Zu Fuß von London bis zur Amtseinführung in Canterbury
Am 25. März wird Sarah Mullally in Canterbury als neue Erzbischöfin ins Amt eingeführt. Zur Vorbereitung pilgert sie nach Canterbury und wandelt dabei auf den Spuren eines ihrer Vorgänger. Mats Nowak berichtet.

140 Kilometer in 6 Tagen. Das ist das Ziel der Fußwallfahrt von Sarah Mullally, die in der nächsten Woche als erste Erzbischöfin von Canterbury inthronisiert wird. Damit folgt sie auf Justin Welby, der im Januar 2025 das Amt des Erzbischofs von Canterbury nach der Veröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens, in dem ihm auch persönliche Fehler im Umgang mit den Fällen vorgeworfen werden, abgegeben hat.

"Während ich mich auf meine Amtseinführung in der Kathedrale von Canterbury vorbereite, erfüllt es mich mit tiefer Demut, in die Fußstapfen derer zu treten, die diesen uralten Weg bereits beschritten haben. Seit Jahrhunderten strömen gläubige Pilger nach Canterbury, und ich werde über diese Tradition nachdenken, während wir durch die Landschaft von Kent und seine Städte und Ortschaften wandern", sagt Sarah Mullally am Dienstag, bevor sie aufgebrochen ist.

Sie freue sich darauf, die örtlichen Kirchen, Kathedralen und heiligen Stätten entlang der Route zu besuchen – und Menschen zu begegnen, mit ihnen zu beten und ihre Geschichten zu hören, so Sarah Mullally weiter. "Während ich diesen Weg gehe, werde ich für unsere Kirche und unsere Welt beten und Gott bitten, diejenigen zu segnen, denen wir begegnen. Jedes christliche Leben ist eine Pilgerreise – eine Reise mit Gott. Während ich dieses neue Kapitel in meinem eigenen Leben und Dienst beginne, bin ich dankbar, mit Gott und mit anderen gemeinsam zu gehen."

Mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen

Auf der Pilgerreise, die sie zusammen mit ihrem Ehemann Eamonn absolviert, möchte Sarah Mullally Kirchen, Klöster, Schulen und soziale Einrichtungen besuchen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Feste Bestandteile der Tage sind das Morgen- und das Abendgebet in Kirchen und Klöstern entlang des Weges.

Ehemann Eamonn Mullally links,  Torin Brown mitte, Sarah Mullally im Gespräch.

"Während sich Menschen aus der gesamten anglikanischen Gemeinschaft darauf vorbereiten, zur Amtseinführung der Erzbischöfin nach Canterbury zu kommen, wird es eine Freude sein, diesem Anlass zu Fuß und im Gebet verwurzelt entgegenzugehen", sagt Richard Braddy. Der Kaplan der Erzbischöfin von Canterbury erklärt weiter: "Auf dieser Pilgerreise, des Gebets und der Begegnung werden wir mit lokalen Kirchen in Kontakt treten und uns Schulen anschließen, die Veranstaltungen zum Thema Pilgern organisiert haben. Tägliche Themen und Gebete werden über soziale Medien geteilt, damit die Menschen in dieser besonderen Zeit gemeinsam beten können."

Gottes Gegenwart im Leben neu erkennen

"Mein Gebet ist, dass wir, während Erzbischöfin Sarah diese Zeit der Pilgerreise nutzt, um sich geistlich auf ihren Dienst als Erzbischöfin von Canterbury vorzubereiten, uns noch stärker im Gebet für die Kirche und die Welt vereinen und Gottes Gegenwart in unserem Leben neu erkennen können. Ich freue mich persönlich darauf, mir Zeit zu nehmen, um Gottes Gegenwart auf dieser Pilgerreise zu erfahren, meinen Weg als Jünger Christi zu vertiefen und durch die Gabe des Heiligen Geistes zu sehen, welche Gespräche sich entwickeln, wenn wir unterwegs Menschen begegnen", kommentiert Richard Braddy.

Erzbischöfin Mullally vor der St. Pau´ls Kathedrale in London. Von dort aus wir sie 140 Kilometer in 6 Tagen bis nach Canterbury pilgern.

Mit ihrer Wallfahrt begibt sich Sarah Mullally auf die Spuren zweier ihrer Vorgänger. Der Weg von der St. Paul’s Cathedral in London, ihrer bisherigen Wirkungsstätte als Bischöfin von London (auch hier war sie die erste Frau im Amt), führt sie über den Becket-Weg (benannt nach Thomas Becket) und den Augustinus-Weg (benannt nach Augustinus von Canterbury) unter anderem zu den Kathedralen von Southwark und Rochester sowie den Klöstern Aylesford Priory und Lesnes Abbey. Sarah Mullally ist die erste neuzeitliche Erzbischöfin von Canterbury, die im Vorfeld ihrer Inthronisierung eine solche Pilgerreise unternimmt.

Schüler:innen gestalten einen Pilgerausweis

Für diese Pilgerreise haben Schülerinnen und Schüler der kirchlichen Grundschule Ospringe in Faversham einen besonderen Pilgerausweis gestaltet. In Faversham wird die Gruppe auch den katholischen Schrein St. Jude besuchen. Mit dem Besuch im von Karmeliten betreuten Wallfahrtsort soll auch die ökumenische Dimension des Pilgerwegs zum Ausdruck kommen. Außerdem werden auf dem Weg Gebetskarten verteilt, die von Schülerinnen und Schülern der erzbischöflichen Schule in Canterbury entworfen wurden.

Der Beauftragte für Pilgerreisen der Kathedrale von Canterbury, Torin Brown, sagt: "Eine Pilgerreise ist eine wunderbare Begegnung mit neuen Orten und Menschen, doch für mich ist die innere Reise der spirituellen Weiterentwicklung ebenso untrennbar mit einem solchen Unterfangen verbunden. Daher ist es für mich ein großes Privileg und eine Ehre, Erzbischöfin Sarah auf ihrem Weg nach Canterbury begleiten zu dürfen, während sie sich mit Demut und Anmut auf ihre neue Aufgabe vorbereitet."

Am letzten Tag der Reise wird Erzbischöfin Sarah Mullally von Dekan David Monteith, dem Vorsitzenden des Domkapitels, sowie weiteren Mitgliedern des Domkapitels der Kathedrale von Canterbury begleitet. Die Pilgerreise endet am 22. März mit dem Evensong, dem traditionellen Abendgebet der anglikanischen Kirche, in der Kathedrale von Canterbury.