Wie fühlt es sich an in einem Vogelkäfig?

begehbare Installation mit Vogelkäfigen
epd-bild/Uli Deck
Nicht jeder Käfig sei sichtbar, sagt der Künstler Fahar Al-Salih.
Begehbare Kunst in Kirche
Wie fühlt es sich an in einem Vogelkäfig?
Eine begehbare Installation aus 600 hölzernen Vogelkäfigen wird in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe gezeigt. Künstler Fahar Al-Salih will damit zum Nachdenken über Freiheit und Begrenzung, Migration und Ausgrenzung anregen.

Hölzerne, handgefertigte Vogelkäfige sind fünf Meter hoch gestapelt: Ab Samstag (7. März) ist die begehbare Installation "The Cage - 500 Käfige, ein Tor zur Freiheit" in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe zu sehen. Tatsächlich seien es sogar mehr als 600 Vogelkäfige, sagte der irakische Künstler Fahar Al-Salih am Donnerstag vor Journalisten. Sie formen einen acht Meter langen Raum in dem Gotteshaus und verdecken den Blick auf den Altar.

Der in Karlsruhe lebende Künstler will damit Erfahrungen von Freiheit und Begrenzung, Migration und Ausgrenzung thematisieren. Mit seinen Arbeiten will Al-Salih Brücken zwischen europäischen und arabischen Kulturen schlagen. Besucherinnen und Besucher sollten sich auch die Frage stellen, wie sie mit sichtbaren und unsichtbaren "Käfigen" in ihrem Leben umgehen.

Der Künstler Fahar Al-Salih inmitten seines Werkes.

Das Kunstwerk, für das zehn Kirchenbankreihen entfernt werden mussten, ist im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus bis 29. März zu sehen.

#Irakische Handarbeit aus Palmenblättern

Die traditionellen Käfige wurden aus Palmenblatt-Abfällen in einem irakischen Familienbetrieb in Bagdad gefertigt. Besucherinnen und Besucher seien eingeladen, eine der Käfigtüren zu öffnen "als poetische Geste des Erinnerns und Freilassens" für einen im Ausland lebenden Bekannten, sagte der in Bagdad geborene Künstler, der in Kuwait aufwuchs.

Laut Pfarrerin Claudia Rauch von der Citykirche Karlsruhe soll die Installation in der Passionszeit den Blick auf unterschiedliche Formen von Entrechtung, Ausgrenzung, Leid und Schmerz schärfen. Organisiert wird das Projekt von der Evangelischen Citykirche Karlsruhe und einer Galerie, in Kooperation mit den Internationalen Händelfestspielen und der Stadt Karlsruhe, die seit 2019 Unesco-Stadt der Medienkunst ist.