Kirchenasyl für russische Kriegsdienstverweigerer

Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, kann es nachvollziehen, wenn sich eine Gemeinde dazu entschließt "einem russischen Menschen, der nicht in den Krieg ziehen will, Schutzraum zu bieten." (Symbolbild)
Kurschus zeigt Verständnis
Kirchenasyl für russische Kriegsdienstverweigerer
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, zeigt sich in der Frage von Kirchenasyl für russische Kriegsdienstverweigerer im Einzelfall offen.

"Die Entscheidung, Kirchenasyl zu gewähren, liegt bei der einzelnen Kirchengemeinde und sie ist immer ein Einzel- und Ausnahmefall, in dem die Gemeinde sich sehr sorgfältig mit der individuellen Situation dieses einen konkreten Menschen befasst", sagte die westfälische Präses den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Sonntag, Print Montag).

Der russische Präsident Wladimir Putin "verheizt die eigenen Leute" und schaffe Elend in vielen Familien, erklärte sie. "Sollte sich eine Gemeinde dazu entschließen, einem russischen Menschen, der nicht in den Krieg ziehen will, Schutzraum zu bieten, könnte ich das nachvollziehen."

Mit Blick auf die Debatte um die Versorgung von Geflüchteten bezeichnete Kurschus die Forderung der Kommunen nach einer stärkeren finanziellen Unterstützung als verständlich. "Der Bund ist in der Verantwortung, bei der Unterbringung der Geflüchteten angemessen zu helfen", sagte sie.

"Die Hilfsbereitschaft ist enorm, das erleben wir nicht zuletzt in unseren Kirchengemeinden", sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Dafür sei sie "sehr dankbar" und habe großen Respekt. "Wahr ist auch: Die polarisierende Berichterstattung über ein Haus, das zuvor ein Altenheim beherbergte und nun für Geflüchtete genutzt werden soll, hat gezeigt, wie empfindlich und gereizt die Atmosphäre ist", erklärte sie. Da komme Konkurrenzdenken auf, dass Flüchtlinge bevorzugt behandelt würden. "Wir dürfen nicht Not gegen Not ausspielen", forderte Kurschus. "Die Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten in den Kommunen muss so geschehen, dass hier keine Schieflage entsteht."