Fair Trade: Von Schmuck bis Kalender alles dabei

Fair Trade: Von Schmuck bis Kalender alles dabei
Produkte aus fairem Handel sind längst ihrerm Nischendasein entwachsen, selbst Discounter bieten sie mittlerweile an. Aber müssen nicht immer die Klassiker wie Kaffee, Tee, Honig oder Schokolade sein.
16.04.2010
Von Frauke Weber

Vor 30, 35 Jahren galten sie als Nischenmarkt: Produkte aus fairem Handel. In kleinen, versteckten Einweltläden gab es die Klassiker zu kaufen: Kaffee, Tee, Honig, Schokolade, bunte Taschen. Die Zeit hat ihnen zum Aufschwung verholfen, heute gelten die Produkte als hip, angesagt, geradezu ein Muss: Jede Espressobar, die was auf sich hält, bietet ganz selbstverständlich Bohnen aus fairem Handel an. So groß ist der Trend, dass sogar preisbewusste Discounter auf den Zug aufgesprungen sind und die Produkte in ihrem Sortiment anbieten. Doch noch bevor die großen Ketten den Markt erkannten, hatte sich schon längst eine bunte Szene aus engagierten Kleinbetrieben und Eineweltläden etabliert, die die Produkte vermarkteten und verkauften. Wie bunt-gemischt die Szene ist, darin gibt aktuell die Messe "Fair Handeln" in Stuttgart einen Einblick.

Zu den Ausstellern gehört Conrad Gutekunst, der seinen Verlag "Fairtrade-Media" präsentiert. Hier gibt es Postkarten, Grußkarten, Kalender und vieles mehr, alles ökologisch wie auch fair produziert. Die Idee zu diesem Verlag kam Gutekunst, als er selbst noch für eine Fairtrade-Organisation arbeitete und häufiger mit Anfragen nach Bildmaterial konfrontiert wurde. Um dem fairen Handel ein Gesicht zu geben, schickte Gutekunst Fotografen los, fuhr auch selbst mit. Seit 2005 ist daraus der eigene Verlag entstanden, mit mittlerweile über 450 Produkten. Das Holz stammt für das Papier stammt aus FSC-zertifizierten Wäldern, gedruckt wird mit pflanzlichen Farben, verpackt bei Behindertenwerkstätten. Und aus den Erlösen fließen Anteile in Bildungs- und Umweltprojekte, derzeit vornehmlich in Indien und Tansania.

Ähnlich kam auch Norbert Tomforde zu seiner Firma "Südsinn", die eigentlich aus einem privaten Hilfsprojekt entstand. Zusammen mit seiner Frau lebte und arbeitete er beim Minderheitenvolk der Karen in Thailand. Unter schwierigen Bedingungen erstellten die Karen Kunststücke aus Silber, konnten von ihren Verkäufen aber nicht leben. Um ihnen zu helfen, entstand die Idee, ihre Stücke auch in Europa, in Deutschland zu verkaufen. Da sich aber die Geschmäcker, was Schmuck angeht, in Deutschland und Thailand unterscheiden, wurde schnell klar, dass der Silberschmuck für Deutschland anders sehen musste. Also entwickelte Tomforde – eigentlich Politikwissenschaftler – ein neues Design, arbeitetet mit Schmieden vor Ort zusammen. Daraus entstand schon 2001 seine Firma "Südsinn", die seit 2005 auch zertifiziert ist. Vor Ort in Thailand organisiert eine Frauengruppe den gesamten Herstellungsprozess.

Bewusst ist Tomforde auch, dass Silber an sich ein problematischer Stoff ist. Denn er wird in jedem Fall unter Ausbeutungsbedingungen gewonnen. In Thailand immerhin entstehen die Schmuckstücke aus recyceltem Silber, die Schmiede vor Ort erhalten gerechte Löhne. Mittlerweile beliefert seine Firma auch Weltläden in Deutschland, für das Krisenjahr 2009 konnte er ein Wachstum von rund 40 Prozent verzeichnen. Über die Nachfrage freut er sich natürlich, klar, aber er weiß auch: "Fairen Handel muss man sich auch leisten können". Das machen offenbar immer mehr Deutsche. Allein mit dem Kauf von fairen Produkten ist aber nicht getan, wie "Brot für die Welt" in einer Aktion vorstellte. "Mach mal Zukunft" – damit wendet sich die Organisation vor allem an Jugendliche, um sie im Alltag für die Problematik zu sensibilisieren. Oder wie Jonas Schubert von "Brot für die Welt" es erklärt: "Wenn wir hier unseren Sprit um pflanzliche Komponenten erweitern, ist das zwar aus Umweltschutzgründen gut. Was aber ist mit den Menschen, die jetzt schon hungern müssen, weil wie zuviel landwirtschaftliche Fläche für Biospritproduktion gebraucht wird?" Gute Frage.