Blogger kämpfen im Netz für Meinungsfreiheit

Blogger kämpfen im Netz für Meinungsfreiheit
Vor allem in Diktaturen nutzen Blogger das Internet dazu, auf Missstände aufmerksam zu machen und um Meinungsfreiheit zu kämpfen. Viele bezahlen dafür mit ihrer Freiheit oder ihrem Leben.

Wenn Farnaz Seifi online geht, ist sie im Krieg. Seit fünf Jahren kämpft die Iranerin mit ihren Weblogs für Meinungsfreiheit und Frauenrechte in ihrem Heimatland Iran. Der Kampf ist virtuell, die Folgen real. Wie viele andere iranische Blogger wurde auch Seifi verhaftet, verhört und von den iranischen Behörden massiv unter Druck gesetzt. Aufgeben kommt für die Journalistin und Frauenrechtlerin trotzdem nicht infrage. "Die Regierung kann die Stimme des Volkes nicht ewig kontrollieren", sagt sie bestimmt.

Nicht nur im Iran hat sich das Internet mittlerweile zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt. Die Zahl der Blogger und Internetnutzer, die gegen Zensur und Überwachung mobil machen, wächst ständig. Doch auch die Regime lernen schnell. Eine wachsende Zahl von Staaten versucht ihre Online-Kontrolle auszudehnen.

120 Blogger sitzen in Haft

Über die gleichen Netzwerke, mit Hilfe derer sich Kritiker und Dissidenten austauschen, können Behörden die Unruhestifter auch verfolgen oder Propaganda verbreiten. Nach Angaben der Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen wurden 2009 insgesamt 151 Blogger und Internetnutzer verhaftet und damit dreimal so viele wie noch im Jahr zuvor. Aktuell sind 120 Blogger inhaftiert. Die meisten Internetnutzer sitzen in China hinter Gittern, gefolgt von Vietnam und dem Iran.

Seifi nennt das Cyberkrieg. Das Internet wird zum Austragungsort des Kampfes um den Zugang zu freien Informationen. Im Iran hat sich die Macht des World Wide Web zuletzt eindrücklich gezeigt. Von den Protesten nach der gefälschten Wahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 konnte sich die Welt aufgrund der iranischen Zensur nur über Youtube, Twitter oder Facebook ein Bild machen. Doch das Web 2.0 trug den Protest nicht nur ins Ausland. Die Demonstranten verabredeten sich auch via Twitter oder warnten einander vor der Polizei.

Internet-Überwachung ausgebaut

Gleichzeitig wurden die Kontrollen im Iran drastisch verschärft und die Internet-Überwachung ausgebaut. Die Behörden drosseln die Geschwindigkeit der Internetverbindung und starten technische Störoffensiven, wenn sie Demonstrationen befürchten. Seifi berichtet, dass der iranische Geheimdienst gezielt junge Internetexperten rekrutiert, die Blogs und Foren der Opposition hacken und für Desinformation sorgen. "Die haben jetzt auch eine Armee im Cyberspace", seufzt die Journalistin.

Blogger kritisieren, dass der Iran bei der Internetzensur eng mit China zusammenarbeite. Peking verfügt nach wie vor über das technologisch am weitesten entwickelte Internetkontrollsystem. 380 Millionen Internetnutzer werden mit großem technischen Aufwand in Schach gehalten.

Zensur in China

Der chinesische Blogger Michael Anti schafft es trotzdem, über Probleme und Missstände in der Volksrepublik zu schreiben. Sein Name ist Programm. Anti ist dagegen, genau wie die 20.000 Menschen, die täglich seine Einträge lesen. Als Microsoft 2005 Antis Blog löschte, um chinesische Zensurbestimmungen zu erfüllen, sorgte das für eine Wertedebatte in Europa und den USA. Dass Google seinen chinesischen Server jetzt nach Hongkong umleitete und Peking das Zensieren überlässt, wertet Anti als Weckruf an die chinesischen Internetnutzer.

Michael Anti und Farnaz Seifi sind das beste Beispiel dafür, dass sich anders als bei Presse oder Fernsehen angesichts der Schnelligkeit und Weiterentwicklung des Internets immer eine Lücke findet, um die Grenzen der Zensur zu sprengen. "Solange die Menschen die Hoffnung auf Demokratie und Meinungsfreiheit nicht aufgeben, werden wir gewinnen", sagt Seifi.

epd