Surfen im Krankenbett: Laptops verbinden Kinder mit ihrer Welt

Surfen im Krankenbett: Laptops verbinden Kinder mit ihrer Welt
"Ein herzliches Willkommen auf meiner Homepage." Ein Hund bewegt sich, ein Schmetterling schillert in den buntesten Farben. Die zehnjährige Anne berichtet auf ihrer Internetseite von ihren zwei Meerschweinchen Lotta und Waldemar - und von ihrer Krankheit: "Am 9.4.2008 erkrankte ich an Leukämie. Leukämie ist Blutkrebs und muss mit starken Medis behandelt werden. Diese Medis nennt man eine Chemo."
12.01.2010
Von Judith Kubitscheck

Schon mit acht Jahren gestaltete Anne ihre erste Homepage. "Ich habe mir alles selbst beigebracht. Meine Eltern konnten mir dabei nicht helfen", erzählt sie. Der größte Teil ihres Internetauftritts entstand im Krankenhaus. Jedes Mal, wenn sie für längere Zeit in der Tübinger Kinderklinik ist, erhält sie einen Laptop mit Internetzugang. "Ohne Laptop wäre es mir sehr langweilig", sagt Anne.

Laptops fürs Krankenbett sind begehrt

Die Mitarbeiter von "Krakian - Kranke Kinder ans Netz" kennen Anne und wissen, welche Programme sie auf ihrem Laptop verwenden möchte. Das Projekt ermöglicht Kindern wie Anne, direkt vom Krankenbett aus mit ihren Freunden zu chatten, Hausaufgaben zu erledigen oder sogar eine eigene Internetseite zu erstellen. "Ich möchte, dass ganz viele Menschen aus aller Welt auf meine Seite gehen", wünscht sich Anne.

Die Laptops fürs Krankenbett sind begehrt. Schon Neunjährige fragen nach ihnen. "Der Umgang mit dem Computer ist für Kinder zum Standard geworden. Es ist für die jungen Patienten schlimm, wenn im Krankenhaus neben der Schule auch noch das Internet fehlt", sagt Priska Schneider, die für das Projekt Krakian arbeitet.

Per Internet mit der Tante in der Türkei telefonieren

2009 wurde Krakian vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bei dem Wettbewerb "Wege ins Netz" mit dem ersten Preis in der Kategorie "Kinder und Jugendliche" ausgezeichnet. Seit 2006 erhalten über 200 Kinder pro Jahr für ihre Zeit in den Tübinger Kliniken einen Laptop. Krakian finanziert sich allein aus Spenden aus dem Verein "Hilfe für Kranke Kinder e.V."

Projektleiter Thomas Hassel erklärt, dass das Internet vor allem für Kinder wichtig ist, deren Verwandte im Ausland sind. Die neunjährige Mercan zum Beispiel telefoniert mit ihrer Tante aus der Türkei über das Internet. Durch eine Videokamera ist die kleine Mercan für ihre Tante sogar sichtbar.

Krankenhausschule: Lernen im World Wide Web

"Das ist schön, ich kann im Krankenhaus mit meiner Tante reden", sagt Mercan. Wenn es ihr langweilig ist, spielt sie auf dem Krakian-Laptop das Spiel "Bubble trouble". Der 13-jährige Julian muss nur eine Woche im Krankenhaus verbringen. "Ich habe gerade mit meinen Freunden gemailt und sie gefragt, was in der Schule los war", sagt der Siebtklässler.

Birgit Stolz-Hofmann ist Lehrerin in der Tübinger Krankenhausschule. "Im Klinikschulunterricht helfen E-Mail, Chat und Webcam, vom Krankenbett aus den Anschluss an den aktuellen Lernstoff der Heimatschule nicht zu verpassen", sagt sie. "Manche meiner Schüler sind für Lernplattformen im Internet und für das Lernen am PC wahnsinnig empfänglich", berichtet die Pädagogin.