Kardinal beklagt Asymmetrie bei Religionsfreiheit

Kardinal beklagt Asymmetrie bei Religionsfreiheit
Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, beklagt eine Asymmetrie bei der Religionsfreiheit. Die Christen würden in vielen Ländern in ihrem religiösen Leben behindert. Als Beispiel nannte der Kardinal die Türkei.

Christen würden in muslimischen Ländern, etwa in der Türkei, in ihrem religiösen Leben behindert, sagte der Kardinal in dem am Sonntag gesendeten "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. In Europa werde gerichtlich geboten, "dass wir Kreuze abnehmen". Daneben gebe es das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach eine deutsche Schule einem Muslim einen Gebetsraum zur Verfügung stellen muss.

"Da stimmt etwas nicht", sagte Meisner. Er kämpfe seit zwei Jahren darum, dass die Pauluskirche in Tharsus für alle Christen als Gotteshaus ständig zu Verfügung gestellt werde. "Es ist ein Kampf, der vergeblich ist. Und da fragt man sich vom Gefühl her: Da stimmt etwas nicht. Und daher kommt auch so die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger." Tarsus ist der Geburtsort des Apostels Paulus. Die nach ihm benannte Kirche war 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt worden. Heute dient das Gebäude als Museum, Gottesdienste sind nur nach Absprache möglich. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner. Vor fünf Jahren habe im arabischen Emirat Katar eine Kirche für 100.000 christliche Gastarbeiter gebaut werden dürfen - "aber per Gesetz ohne Turm, ohne Glocke, ohne Kreuz". Er sage jetzt nicht, wir müssen das in Deutschland genau so machen.

Meisner unterstrich das Recht der Muslime auf den Bau von Moscheen. Er sei froh darüber das "wir hier Religionsfreiheit haben und dass die Muslime ein Recht haben, große Moscheen zu bauen". Eine ungleiche Behandlung der Religionen führe allerdings zu "Aversionen gegen unsere muslimischen Mitbürger", so der Kölner Erzbischof. Wenn es in Deutschland eine Abstimmung wie in der Schweiz über ein Minarettverbot gebe, so glaube er nicht, "dass die hier viel anders ausfiele". Dies müssten Politiker auch ins Kalkül ziehen.

Die Bundesregierung forderte der Kardinal auf, auf Wünsche und auf Unstimmigkeiten im Umgang mit dem Recht auf freie Religionsausübung zu achten.

epd/dpa