Kirchliche Hilfswerke: Klimapolitik vor Scherbenhaufen

Kirchliche Hilfswerke: Klimapolitik vor Scherbenhaufen
Die kirchlichen Hilfswerke sind enttäuscht über Verlauf und Ergebnisse des Klimagipfels in Kopenhagen. Die Politik stünde vor einem Scherbenhaufen, vor allem die ärmeren Länder hätten zu leiden.

Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Landesbischöfin Margot Käßmann, hat sich enttäuscht zum Ausgang des UN-Klimagipfels in Kopenhagen geäußert. Es sei "wirklich traurig", dass die mit großen Hoffnungen erwartete Tagung ohne jedes konkrete Ergebnis ende, das den Klimaschutz substanziell stärke, sagte Käßmann am Samstag in Hannover. Sie rief die Menschen dazu auf, sich nicht entmutigen zu lassen und sich weiter für eine gerechte Klimapolitik zu engagieren.

Die Regierungen der Industrieländer forderte Käßmann auf, das Erreichen wirksamer Klimaschutzziele mit Vehemenz weiter zu verfolgen. Sie dürften jetzt nicht nachlassen, denn die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen seien durch eine ausufernde CO2-Belastung der Atmosphäre in Gefahr, mahnte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Es gibt auch ein zu spät", warnte sie.

Auch evangelische Hilfswerke haben sich enttäuscht über die Ergebnisse des Klimagipfels von Kopenhagen geäußert. Die internationale Klimapolitik stehe vor einem Scherbenhaufen, erklärten "Brot für die Welt", Diakonie Katastrophenhilfe und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) in der Nacht zum Samstag. Das beschworene Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, werde nicht erreicht.

Die Folgen hätten vor allem die Armen in den bereits vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern zu tragen. Deutschland und die EU hätten "taktiert, gezaudert, verloren", kritisierte "Brot für die Welt"-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel. "Der Gipfel ist nicht erst in Kopenhagen gescheitert, sondern bereits auf dem Weg dorthin." Die EU sei nicht zu einer weiteren Reduzierung ihrer Treibhausgase und zu angemessenen Klimahilfen für die ärmsten Staaten bereit gewesen. "Damit haben wir uns in die Hände derjenigen gespielt, die von Anfang an nicht an einem ambitionierten, fairen und vor allem auch verbindlichen Abkommen interessiert waren – z.B. China", so Füllkrug-Weitzel weiter.

Scheitern Schande für die Industrienationen

EED-Vorstand Rudolf Ficker kritisierte auch die USA, China, den Sudan und die Ölstaaten. "Großen Mut haben allein die kleinen Inselstaaten gezeigt", sagte er. Ihre Forderung, endlich ernsthaft zu verhandeln, sei leider ungehört verhallt. Deutschland könne und müsse auch ohne internationale Verpflichtungen konsequent 40 Prozent Emissionen reduzieren bis zum Jahr 2020. Die Summe von sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Geldern für Klimaschutz und Anpassung jährlich ab 2013 seien noch immer sinnvolle Ziele. Ficker will die Bundesregierung nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. "Der starke Rückenwind für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit" in Kirche und Gesellschaft sei Ansporn und Auftrag, für den überfälligen Wandel einzutreten.

Das "katastrophale Scheitern" der Verhandlungen sei eine Schande für die Industrienationen und eine Katastrophe für die Menschen in den Entwicklungsländern, erklärte das katholische Hilfswerk Misereor am Samstag in Aachen. Hunger und Armut würden in Kauf genommen.

Der für Misereor zuständige Hamburger Erzbischof Werner Thissen zeigte sich entsetzt. In Kopenhagen nichts erreicht worden, was auch nur annähernd die schlimmsten Folgen des Klimawandels aufhalten könne. "Es ist unverantwortlich, dass diese historische Chance nicht genutzt wurde und das Klima-Abkommen aufgrund wirtschaftlicher Interessen gescheitert ist", sagte Thissen. Das Ziel, die Erderwärmung wirklich auf zwei Grad zu beschränken, sei damit in weite Ferne gerückt. Thissen warnte vor schlimmen Folgen wie zunehmenden Dürren. 600 Millionen Menschen würden zusätzlich in den Hunger getrieben.

epd/fra