Farbbeutelanschlag gegen evangelischen Sexualethik-Kongress

Farbbeutelanschlag gegen evangelischen Sexualethik-Kongress
Auf den Tagungsort des evangelikalen Kongresses "Sexualethik und Seelsorge" in Kassel hat es in der Nacht zum Donnerstag zwei Farbbeutelanschläge gegeben.

Zwar hätten zwei Wachleute, die zur Bewachung eines Zeltes eingesetzt worden seien, den Anschlag bemerkt. Die Täter hätten aber nicht dingfest machen können, sagte Geschäftsführer Rolf Trauernicht am Donnerstag in Kassel. Drohungen gegen den Kongress habe es aber nicht gegeben.

Im hessischen Landtag distanzierte sich der für Integration und Antidiskriminierung zuständige Staatssekretär Jo Dreiseitel (Grüne) namens der Landesregierung von dem Kongress des Fachverbands Weißes Kreuz in Kassel, bei dem angeblich eine Therapie gegen Homosexualität propagiert werde. Es sei fast unerträglich, dass dort Schwule und Lesben "umgepolt" werden sollen, sagte der Grünen-Politiker. Proteste dagegen seien nachvollziehbar und berechtigt.

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Redner aller Fraktionen wandten sich in einer Aktelle Stunde gegen jede Form der Diskriminierung von Homosexuellen. Dabei begrüßte es der Landtagsabgeordnete Kai Klose (Grüne), dass sich die Diakonie Hessen von dem Kongress "Sexualität und Seelsorge" distanziert habe.

Trauernicht zeigte sich über die scharfe Kritik an dem Kongress überrascht. Das Thema Homosexualität stehe überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Die beiden Referenten Markus Hoffmann und Christl Vonholdt, denen von Gegnern vorgeworfen wird, eine "Heilbarkeit von Homosexualität" zu propagieren, böten kein Seminar zu diesem Thema an.

Der Vorsitzende des Weißen Kreuzes, Wilfried Veeser, sagte, dass für das Weiße Kreuz Homosexualität keine Krankheit und damit auch nicht therapierbar sei. Das Weiße Kreuz verwahre sich deutlich gegen jede Diskriminierung Homosexueller. Er räumte ein, dass die Position von Christl Vonholdt in der Frage der Therapierbarkeit von homosexuellen Neigungen umstritten sei. Dennoch sei dies eine legitime Sicht auf menschliche Verhaltensformen, die diskutiert werden müsse.

Ein Versuch, kurzfristig ein Podiumsgespräch auf dem Kongress zum Thema anzuberaumen, sei gescheitert, fügte Veeser hinzu. Bisher habe er etwa keine Antwort auf ein entsprechendes Angebot bekommen, das er dem lesben- und schwulenpolitischen Sprecher der Grünen im Hessischen Landtag, Kai Klose, per E-Mail unterbreitet habe. Der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day Kassel, Holger Alexis Ewen, kündigte für Freitag, eine Demonstration gegen den Kongress an.