Weniger Kommerz, mehr Liebe zu Muttertag

Kommentar

Illustration: evangelisch.de/Simone Sass

Weniger Kommerz, mehr Liebe zu Muttertag
Vom Muttertag profitieren vor allem Blumenläden, Süßwarenhersteller und Juweliere. Ein Fest zu ehren der Mütter sollte aber nicht nur dem Konsum dienen. Evangelisch.de-Redakteurin Verena Horeis meint, es ist Zeit, über Alternativen nachzudenken. Eine liebe Geste ist schließlich auch ein schönes Geschenk.
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In Parfümerien, Blumenläden und beim Juwelier dreht sich dieser Tage alles um sie: Die Mütter. Am Sonntag ist Muttertag und Geschenke für die eigene Mama gehören da wohl zum Pflichtprogramm. So wollen es uns jedenfalls die Blumenhändler und Schokohersteller weismachen: Ein Blumenstrauß, leckere Pralinen, schöner Schmuck oder zumindest eine Karte mit ein paar mehr oder weniger persönlichen Zeilen sollen unserer Mutter zeigen, wie gern wir sie haben.

Eigentlich eine schöne Idee, schließlich haben wir unseren Müttern viel zu verdanken. Sie trösteten uns, wenn wir aufgeschlagene Knie hatten, halfen beim ersten Liebeskummer und waren irgendwie auch sonst immer für uns da. Aber warum soll ich meiner Mutter an einem ganz bestimmten Tag danken? Und sind materielle Geschenke der einzig richtige Weg dazu? Ich meine nein. Wer sich ein paar liebevolle Gedanken macht, kommt sicher auch auf andere Ideen. Und letztlich kann man doch jeden Tag nutzen, um seinen Eltern zu danken.

Die Idee, einen bestimmten Muttertag zu feiern, gibt es allerdings schon lange. Bereits im 13. Jahrhundert soll der englische König Heinrich III den sogenannten Mothering Sunday eingeführt haben, um die Kirche zu ehren. Kinder und Erwachsene sollten an diesem Tag ihre Mutter besuchen, um sich bei ihr zu bedanken. Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis verlieh dem Muttertag politische Bedeutung: Sie initiierte innerhalb der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung 1865 "Mothers Day Meetings", bei denen Mütter über aktuelle Fragen diskutieren konnten. Fünf Jahre später rief die Frauenrechtlerin Julia Ward Howe in den Vereinigten Staaten zu einem Mütter-Friedenstag auf. An dem Tag sollten Frauen gegen Kriege protestieren, bei denen viele ihrer Söhne fielen.

Als offizielle Begründerin des Muttertags gilt allerdings die Methodistin Anna Marie Jarvis. Im Jahr 1907 feierte sie in Grafton (West Virginia) am 12. Mai eine Gedenkmesse für ihre verstorbene Mutter. Auch im Folgejahr gab es am zweiten Sonntag im Mai eine Andacht, diesmal war der Gottesdienst allen Müttern gewidmet. Vor der Kirche ließ Jarvis 500 weiße Nelken – wohl die Lieblingsblumen ihrer Mutter – an andere Mütter aus dem Ort verteilen. Jarvis setzte sich dafür ein, dass der Muttertag in den USA ein offizieller Feiertag wurde, und hatte 1914 Erfolg. Danach verbreitete er sich in vielen weiteren westlichen Ländern, auch in Deutschland. Hier trat der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber in den 1920iger Jahren für den Muttertag ein und warb für Blumengrüße an die eigene Mutter. "Ehret die Mutter" hieß der Slogan, eine Parole, die die Nazis später für ihre Propaganda missbrauchten.

Jeden Tag zum Muttertag machen

Spätestens hier wird klar, wie eine eigentlich schöne Idee – Mütter zu ehren – ins Absurde umschlagen kann. Auch Anna Marie Jarvis wurde der steigende Kommerz um „ihren Feiertag“ zu viel. Sie trat schließlich sogar dafür ein, ihn in den USA wieder abzuschaffen.
Und trotzdem gilt der biblische Satz "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird." (5. Mose, 5,16).

Wir sollten öfter darüber nachdenken, wie wir unseren Müttern außer mit einem Strauß Blumen oder Pralinen danken können. Eine liebe Umarmung, wenn sie traurig ist und ein offenes Ohr, wenn sie etwas zu erzählen hat, sind wertvoller als noch so teurer Schmuck. Hilfe anzubieten, wenn sie gebraucht wird oder gemeinsame Zeit zu verbringen, sind schöne Geschenke. Sie kosten kein Geld, sind deshalb aber nicht weniger wert. Und eine liebe Geste ist außerdem nicht an einen bestimmten Tag gebunden. Wer möchte, kann also jeden Tag Muttertag feiern.