Deutsche-Bank-Chef Fitschen befürwortet Ehrenkodex für Banker

Jürgen Fitschen

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Deutsche-Bank-Chef Fitschen befürwortet Ehrenkodex für Banker
Ein Ehrenkodex müsse Mitarbeiter zu Integrität verpflichten und die Interessen der Kunden in den Mittelpunkt stellen, sagte der Co-Vorsitzende der Deutschen Bank am Mittwochabend in Düsseldorf. Mit Blick auf die Finanzkrise gab Jürgen Fitschen sich selbstkritisch: "Wir haben zulasten Dritter Geschäfte gemacht. Der innere Kompass hat gefehlt."

Sechs Jahre nach dem globalen Finanzcrash habe in der Finanzwelt aber ein "Kulturwandel" begonnen, sagte Fitschen auf einer kirchlichen Veranstaltung. Aus der Erkenntnis heraus, dass "Vertrauensverlust das Ende des Geschäfts" bedeute, sei man nun um mehr Offenheit bemüht, betonte er. "Wir wollen künftig an unserem Handeln gemessen werden. Man kann auf Dauer kein Geld verdienen, ohne sich gesellschaftlich akzeptabel zu verhalten."

Fitschen begrüßte die von der EU-Kommission beschlossenen Regulierungen wie etwa schärfere Regeln für die Eigenkapitalquote der Kreditinstitute. Damit will sich Europa gegen eine neue Finanzkrise rüsten und den Steuerzahler stärker vor den Folgen von Bankenpleiten schützen. Der Regulierungsrahmen müsse sich aber mit der Wirtschaft weiterentwickeln, mahnte Fitschen. Das sei vor 2008 nicht passiert.

Gier als Antriebsfeder des Menschen

Der Wirtschaftsethiker und Theologe Nils Ole Oermann sieht die Finanzkrise weniger als "Systemversagen", sondern als ethisches Versagen der Branchenbeschäftigten, das sich durchaus wiederholen könne. So kritisierte Oermann, der Berater im Bundesfinanzministerium ist, dass weiterhin undurchsichtige Finanzprodukte angeboten würden. Ein System könne sich nicht ethisch verhalten, sondern nur die in ihm agierenden Menschen. Vor diesem Hintergrund könne nur die Einhaltung eines schlüssigen Regelwerks die Gier im Zaum halten.

Die Gier sei eine generationenübergreifende Antriebsfeder des Menschen, sagte Oermann. Auch der für seine sozialen Leistungen gerühmte mittelalterliche Bankier Jakob Fugger (1459-1525) sei wohl nicht weniger gierig gewesen als heutige Vertreter der Zunft. Fugger habe seinerzeit nur nicht den Hebel gehabt, mit seinem Handeln ganze Staaten in den Bankrott zu treiben.

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