EU-Studie über Gewalt gegen Frauen ist "Unstatistik des Monats"

EU-Studie über Gewalt gegen Frauen ist "Unstatistik des Monats"
Wissenschaftler haben eine EU-Studie über Gewalt gegen Frauen zur "Unstatistik des Monats" gekürt.

Die großen Unterschiede zwischen den Ergebnissen in den 28 EU-Mitgliedsstaaten seien "bedenklich und irreführend", erklärte Thomas Bauer, Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung am Dienstag in Essen. Mögliche Ursachen für verzerrte Ergebnisse seien verschiedene Befragungsformen, eine unterschiedlich hohe Beteiligung an der Umfrage und eine je nach Land verschiedene Wahrnehmung, was als sexuelle Gewalt empfunden wird.


Nach der Anfang März veröffentlichten Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte haben etwa sieben Prozent der interviewten Frauen in den zwölf Monaten vor der Befragung körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren, jede dritte Frau hat seit dem 15. Lebensjahr einen körperlichen oder sexuellen Übergriff erlebt. Dänemark, Finnland und Schweden führten die Liste mit 52, 47 und 46 Prozent weiblicher Gewaltopfer an, am unteren Ende fanden sich vor allem südliche Länder wie Zypern, Malta oder Portugal.

Die hohen Prozentzahlen in den skandinavischen Ländern können nach Ansicht der Kritiker damit zusammenhängen, dass in Dänemark, Finnland und Schweden die befragten Frauen im Unterschied zu allen anderen Ländern zuerst telefonisch kontaktiert wurden. Am Telefon lasse sich einfacher über Gewalterfahrungen sprechen als in einem persönlichen Gespräch mit einem Interviewer, erklärte Bauer.

Zudem sei der Punkt, ab dem sich eine Frau sexuell belästigt fühlt, in diesen "emanzipierten Ländern" möglicherweise schneller erreicht als in Ländern mit eher konservativer Rollenverteilung. Dies könne sich auf die Ergebnisse auswirken, da in der Befragung auch das Erzählen schlüpfriger Witze als sexuelle Gewalt eingestuft wurde.

Mit der "Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und der Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts, Thomas Bauer, jeden Monat aktuell publizierte Zahlen wie auch deren Interpretationen.

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