Schriftsteller de Winter verteidigt Schweiz-Referendum

Schriftsteller de Winter verteidigt Schweiz-Referendum
Der niederländische Erfolgsautor Leon de Winter hat Verständnis für das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung über Einwanderung geäußert.
12.02.2014
Barbara Schneider und Rainer Clos
epd

"Man kann nicht sagen, dass alle Schweizer, die für die Initiative gestimmt haben, xenophob (fremdenfeindlich, Anm. d. Red) sind", sagte der Schriftsteller in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Aus dem Referendum zu folgern, die Schweizer würden es generell ablehnen, dass andere Menschen sich in ihrem Land niederlassen, oder wollten keine Geschäfte mehr machen, sei natürlich übertrieben, sagte de Winter.

Der Autor verwies auf die Angst der Bürger vor einem Traditions- und Kulturverlust, der seiner Ansicht nach zu diesem Ergebnis geführt hat. ""Es gibt so etwas wie regionale und nationale Kulturen, da kann man nicht einfach sagen, dass soll keine Rolle mehr spielen"", sagte er. Die Menschen seien "keine Roboter", sondern hätten Traditionen und Rituale, die die Identität bestimmten. Aus diesem Grund wäre ein solches Referendum in den Niederlanden noch viel deutlicher ausgefallen. ""Ich denke, dass in Holland noch viel mehr Menschen gegen offene Grenzen gewesen wären."" In der Politik gibt es de Winter zufolge eine große Angst vor derartigen Volksabstimmungen in Europa.

Bei der Abstimmung am Sonntag hatte sich eine knappe Mehrheit der Schweizer für eine Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen, betroffen sind insbesondere EU-Bürger, die in die Schweiz kommen. Als Reaktion auf dieses Votum hat die EU-Kommission die bilateralen Gespräche über einen grenzüberschreitenden Stromhandel ausgesetzt.

"Brüssel vergisst die alten Werte"

Das Schweizer Votum ist nach Einschätzung de Winters symptomatisch für Europa. Er äußerte sich besorgt darüber, dass die politischen Entscheidungen in der EU zu schnell getroffen würden. "Es gehe um alte Werte, um alte Bilder. Das werden von meisten EU-Politikern in Brüssel vergessen. Die europäischen Politiker hätten sich viel mehr Zeit nehmen müssen, damit sich die Bürger sich an die veränderten Verhältnisse gewöhnen könnten", sagte de Winter. In dem 2013 auf Deutsch erschienenen Roman "Ein gutes Herz" macht der Schriftsteller fiktiv die Islam- und Zuwanderungsdebatte in den Niederlanden zum Thema.

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