Tag gegen Genitalverstümmelung: Setzt dem Leid ein Ende

Tag gegen Genitalverstümmelung: Setzt dem Leid ein Ende
Zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung von Frauen heute fordern Menschenrechtler und Politiker ein Ende der gesundheitsgefährdenden Rituale.

"Diese Praxis kann weder durch kulturelle noch soziale Erwägungen gerechtfertigt werden. Sie ist und bleibt eine schwere Menschenrechtsverletzung", erklärte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD) am Mittwoch in Berlin. Sie nehme Frauen und Mädchen nicht nur das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit, sondern auch auf Selbstbestimmtheit und Freiheit. Es sei wichtig, dass das Tabuthema offen angesprochen werde. Strafrechtliche Instrumente allein reichten nicht aus.

Das Nationale Komitee von UN Women forderte nationale und lokale Regierungen, religiöse Persönlichkeiten, medizinisches Fachpersonal und Familien müssten stärker zusammenarbeiten, um diese Menschenrechtsverletzung zu beenden.

Das Komitee unterstützt auf nationaler Ebene die UN-Behörde, die sich international für die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Rechte der Frauen einsetzt. Weltweit werden den Angaben zufolge jährlich bis zu drei Millionen Mädchen beschnitten. Weibliche Genitalverstümmelung habe zu schweren gesundheitlichen und seelischen Folgen für Frauen und Mädchen, warnte UN Women. Schwere körperliche Verletzungen könnten sogar zum Tode führen.

Dass die weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland seit Juni 2013 als eigener Straftatbestand anerkannt werde, sei ein Erfolg. Diese Gesetzesänderung biete den rund 24.000 betroffenen Frauen und 6.000 gefährdeten Frauen und Mädchen in Deutschland mehr Schutz und eine Rechtsgrundlage, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Beschneidung ist ein kulturelles Ritual

Fast jedes fünfte Mädchen im Süden Afrikas muss nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung eine Genitalverstümmelung erleiden. Schätzungen zufolge seien mehr als 125 Millionen Mädchen und Frauen weltweit betroffen, erklärte die Entwicklungsorganisation am Mittwoch in Hannover.

Zwar gebe es in rund 60 Ländern Gesetze gegen die Genitalverstümmelung, diese reichten jedoch oft nicht aus, um die tief verwurzelte Tradition zu bekämpfen. "Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, werden Schätzungen zufolge in den kommenden 15 Jahren weitere 86 Millionen Mädchen genitalverstümmelt", sagte Geschäftsführerin Renate Bähr.

Weibliche Genitalverstümmelung ist in mehreren arabischen und fast 30 afrikanischen Ländern vor allem südlich der Sahara verbreitet. Auch in Europa und Nordamerika lebende Migranten aus diesen Regionen lassen ihre Töchter beschneiden, oftmals während eines Urlaubs in der Heimat.

Bei der Genitalverstümmelung, die in vielen Kulturen als wichtiges Initiationsritual gilt, wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt. In besonders gravierenden Fällen wird die Vagina zugenäht und nur ein kleines Loch belassen. Meist wird der Eingriff den Angaben zufolge von Laien ohne Narkose und mit einfachen, oft unsauberen Hilfsmitteln vorgenommen - mit ernsten gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Frauen.

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