Arbeitsagentur: Firmen sollen Dauerarbeitslosigkeit beheben

Arbeitsagentur: Firmen sollen Dauerarbeitslosigkeit beheben
Der Arbeitsmarkt boomt, doch wer seit Jahren ohne Arbeit ist, dem fällt es zunehmend schwer, einen Job zu finden. Behörden und Kommunen schlagen Alarm und fordern mehr Unterstützung aus Politik und Wirtschaft.

Die Bundesagentur für Arbeit und die Kommunen fordern mehr unternehmerisches Engagement im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit. Die Betriebe sollten auch Menschen mit "Brüchen im Lebenslauf" bei der Stellenvergabe berücksichtigen, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, am Dienstag in Berlin. Die Unternehmen dürften sich nicht nur an einer "Bestenauslese" beteiligen.

Alt ergänzte: "Wir haben ein Allzeithoch in der Beschäftigung." Allerdings werde es für Langzeitarbeitslose zunehmend schwieriger, wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. Dies müsse sich dringend ändern.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus, äußerte sich besorgt über die Lage der Langzeitarbeitslosen. Er sprach sich für verbesserte Fördersysteme seitens des Bundes, flexiblere Angebote und eine bessere Beratung bei den Jobcentern aus.

Langzeitarbeitslose brauchen flexible Unterstüzung

Die Bedürfnisse der Langzeitarbeitslosen unterschieden sich erheblich, sagte Articus. Alleinerziehende benötigten andere Hilfen als ältere Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund oder junge Erwachsene ohne Ausbildung. Die drohende Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit und die damit verbundenen sozialen Folgen würden die Kommunen zunehmend belasten, hob Articus hervor.

Irene Vorholz, Beigeordnete für Arbeit und Soziales des Deutschen Landkreistages, sprach sich vor allem für langfristige und flexible Angebote aus. Vorholz zufolge könnten mehrmonatige Praktika oder Ein-Euro-Jobs den Menschen helfen, sich für eine Anstellung zu qualifizieren. Auf dem regulären Arbeitsmarkt hätten viele Langzeitarbeitslosen schlichtweg keine Chance, unterstrich Vorholz.

Politik muss sich um Arbeitslosigkeit kümmern

Der Paritätische Wohlfahrtsverband begrüßte den gemeinsamen Appell. Das Problem der verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit habe mittlerweile eine dramatische Größenordnung erreicht, die ein sofortiges Handeln der Politik erforderlich mache, mahnte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider. Arbeitsagentur und Kommunen hätten "den Finger in die Wunde gelegt". Schneider forderte vom Bund rund zwei Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichen Mitteln, um schwer vermittelbare Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit leben in Deutschland rund drei Millionen Erwerbsfähige, die seit zwei oder mehr Jahren Leistungen der Grundsicherung erhalten. Rechnet man die Kinder hinzu, kommt die Behörde auf mehr als vier Millionen Bezieher dieser Leistungen. Zwischen 2010 und 2013 wurden Fördermaßnahmen vom Bund mit rund 3,9 Milliarden Euro finanziert.

 

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