Islamwissenschafler warnt vor Gülen-Bewegung

Islamwissenschafler warnt vor Gülen-Bewegung
Der Berliner Theologe und Islamwissenschaftler Friedmann Eißler hat vor verdeckten Aktivitäten der Gülen-Bewegung in Deutschland gewarnt. "Es gibt islamistische Positionen in den internen Kreisen", sagte der Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Wie das ARD-Politmagazin "Report Mainz" und der "Spiegel" berichten, warnt inzwischen sogar der baden-württembergische Verfassungsschutz vor dem Netzwerk des islamischen Predigers Fethullah Gülen.

In Deutschland haben Anhänger Gülens inzwischen über 300 Bildungsvereine gegründet, die Schulen und Nachhilfezentren betreiben, zum Teil mit staatlicher Unterstützung. Eißler verwies darauf, dass diese Schulen einer bildungsfernen türkischstämmigen Bevölkerung Bildung ermöglichten. Die Gülen-Schulen, die oft naturwissenschaftliche Ausprägung haben, seien Schulen in privater Trägerschaft und keine religiösen Bekenntnisschulen, sagte Eißler. An den Wänden hänge kein Gülen-Bild, es werde kein Religionsunterricht gegeben.

Wenig Gleichberechtigung und konservative Werte

"Das ist aber nur die eine Seite der Medaille", ergänzte der Theologe. "Es ist eine Mogelpackung, dass nicht gesagt wird, wofür die Vereine darüber hinaus stehen." Eißler verwies auf die konservative Theologie Gülens, "die teilweise mit den Werten in unserer Gesellschaft nicht vereinbar ist". Frauen seien nicht gleichberechtigt, die Demokratie sei gegenüber den Werten des Islam defizitär. Wenn auch nicht an den Schulen selbst so würden Kinder im Umfeld der Bewegung - in Wohngemeinschaften und sogenannten Lichthäusern - mit dieser Theologie in Berührung kommen, sagte Eißler. In Deutschland zählt zu dem Gülen-Netzwerk auch ein Medienimperium mit Sitz in Offenbach.

Laut "Report Mainz" und "Spiegel" sieht der Verfassungsschutz das Gedankengut Gülens in mancherlei Hinsicht im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Bewegung verfolge einen türkischen Nationalismus in "seriösem Gewand" mit "islamistischen Komponenten", hieß es. Gülen, der 1941 in Ostanatolien zur Welt kam und seit 1999 in den USA lebt, strebe einen islamischen Staat an. In jüngster Zeit berichteten Medien zudem wiederholt vom Einfluss des islamischen Predigers in der Türkei und einem schwelenden Machtkampf mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Erdogan besucht an diesem Dienstag Berlin.
 

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