Der Unbeugsame aus Prag

Hus auf dem Scheiterhaufen

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Der Holzstich von 1856 nach einer Zeichnung Wilhelm Camphausens (1818-1885) zeigt die Verbrennung von Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz.

Der Unbeugsame aus Prag
600 Jahre nach dem Konstanzer Konzil wird auch an die Verbrennung von Jan Hus erinnert
Er kam vor 600 Jahren nach Konstanz, um vor dem Konzil seine Glaubensüberzeugungen zu verteidigen. Wenige Monate später starb Jan Hus auf dem Scheiterhaufen. Für den deutschen Reformator Martin Luther war Hus ein Glaubensheld.

Seine intensive Lektüre der Bibel machte ihn zu einem scharfen Kritiker der Kirche. Dafür bezahlte der böhmische Theologe Jan Hus (um 1370 - 1415) mit dem Leben. Wenn am Bodensee in den nächsten vier Jahren an das berühmte Konzil von Konstanz erinnert wird, das vor 600 Jahren stattfand, dann gehört auch die Erinnerung an die Verbrennung des Priesters aus Prag dazu. Selbst ein König wurde in diesem Inquisitionsskandal wortbrüchig.

Über die Kindheit von Jan Hus ist wenig bekannt. Er hatte wohl eine fromme Mutter, besuchte die Lateinschule und studierte dann in Prag unter anderem Theologie und Philosophie. Seine Begabung zum Predigen scheint außergewöhnlich gewesen zu sein. Zwei Jahre nach seiner Priesterweihe bekam er die Predigtstelle in der Bethlehemkapelle in der Prager Altstadt. Bis zu 3.000 Menschen hatten dort Platz, und Hus hielt 200 Predigten im Jahr.

Der Hussenstein markiert die Stelle, an der Jan Hus am 6. Juli 1415 verbrannt wurde.

Der Besitz der Bettelorden

Dass viele Priester mit Konkubinen zusammenlebten, dass selbst Bettelorden große Besitztümer sammelten, dass man kirchliche Positionen wie ein Bischofsamt kaufen konnte - das alles brachte den Prager Prediger in Rage. Er gewann die Überzeugung, dass es eine sichtbare Kirche gibt, die sich von der unsichtbaren Kirche Gottes mit ihren vorherbestimmten Mitgliedern unterscheidet. Während die sichtbare Kirche Bischöfe, Päpste und Reichtümer für sich reklamiert, genügt der unsichtbaren die Gemeinschaft mit Christus.

Seine unbequeme Botschaft brachte ihn in Konflikt mit den Mächtigen in der Kirche, während ihm der böhmische Adel die Stange hielt. Als Hus sich über ein Predigtverbot hinwegsetzte, traf ihn der Kirchenbann - und er musste 1412 aus Prag fliehen. Im Schutz von Adelsburgen arbeitete er zwei Jahre lang seine Theologie aus, darunter seine berühmte Schrift "Von der Kirche". Dann kam der Ruf, sich vor dem in Konstanz versammelten Konzil zu verantworten.

Obwohl er ein leidenschaftlicher Schachspieler war, dachte Hus nicht nur taktisch. Er wusste um Risiken bei dieser Reise, vertraute aber auch auf einen Brief des römisch-deutschen Königs Sigismund, der ihm freies Geleit zusagte. Drei Wochen nach seiner Ankunft wurde er verhaftet.

Die Frage nach der Legitimation

Die Konzilsverantwortlichen kämpften mit verschiedensten Problemen. Ein Ziel war es, von drei einander bekämpfenden Päpsten wieder zu einem gemeinsamen Papst zu kommen. Ausgerechnet in dieser Situation floh Johannes XXIII., der das Konzil einberufen hatte, aus der Stadt. Mit welcher Legitimation sollte das Konzil weiterarbeiten, wenn kein Papst mehr anwesend war? Indem man den Kampf gegen die Ketzer in den Mittelpunkt rückte. Das Opfer hieß Jan Hus.

Das Konzil verurteilte zunächst posthum die Thesen des englischen Theologen John Wycliff (um 1330 - 1384), der ebenfalls eine Rückbesinnung auf die Bibel gefordert und damit die Autorität der Kirche infrage gestellt hatte. Würde sich Hus nicht von Wycliff distanzieren, manövrierte er sich somit selbst in die Ketzerecke und machte eine Verurteilung unausweichlich.

Dabei handelte es sich in Konstanz keineswegs um einen Schauprozess. Viele Indizien sprechen dafür, dass das Konzil viel lieber einen Widerruf des widerspenstigen Böhmen gehört hätte als das Knacken der Holzscheite an der Hinrichtungsstelle. Hus blieb aber unbeugsam und schrieb kurz vor seiner Hinrichtung: "Das aber erfüllt mich mit Freude, dass sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weiß auch, dass sie meine Schriften fleißiger gelesen haben als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten." Der anwesende König setzte sich nicht mehr für ihn ein.

Es folgten die Hussitenkriege

Ein Jahr später erlitt Hieronymus von Prag, ein Mitstreiter von Jan Hus, dasselbe Schicksal. Für die Böhmen war klar: Auf diese Kirche und auch auf den deutschen König kann man sich nicht verlassen. 20 Jahre Hussitenkriege waren die Antwort, bei denen allein fünf deutsche Heere in die Flucht geschlagen wurden. Für Martin Luther (1483-1546) war Hus ebenso wie Wycliff ein Vorbild im Glauben, das den deutschen Theologen in seinem Einsatz für die Reformation inspirierte.

Alles für die Wahrheit - Jan Hus. Video-Dokumentation (DVD). SCM Hänssler, Holzgerlingen 2013, 45 Minuten, 12,95 Euro.

600 Jahre Konstanzer Konzil als elektronisches Buch fürs iPad

In Erinnerung an den Kirchenreformer Jan Hus und zur 600-Jahr-Feier des Konstanzer Konzils gibt das evangelische Schuldekanat in Konstanz ein multimediales und interaktives Schulbuch heraus. Das iBook ist ausgestattet mit einem Einführungsvideo für Kinder, Originalquellen, alten Manuskripten, Bildern aus Konstanz und Tschechien von damals und heute, Karten und Übungsaufgaben. Das Buch kann mit dem iPad heruntergeladen und in iBooks geöffnet werden. Näheres unter www.ekikon.de/jan-hus-ibook https://193.197.1.30/owncloud/public.php?service=files&t=918020531d074796a31b737e27fc4979.