Wissenschaftler: Katastrophen stärken soziales Verhalten

Wissenschaftler: Katastrophen stärken soziales Verhalten
Nach Einschätzung des Soziologen Martin Voss verhalten sich Menschen nach einer Katastrophe wie auf den Philippinen oft sozialer als gewöhnlich.

"Obwohl es in den Medien oft so dargestellt wird, sind Egoismus oder Kriminalität wie etwa Plünderungen die Ausnahme", sagte der Leiter der Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität zu Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Im Gegenteil, selbst in für sie gefährlichen Extremsituationen achten die Menschen darauf, niemanden zu verletzen und kümmern sich um andere Leute", fügte er hinzu.

Es sei der "vollständige Kollaps der bekannten Ordnung", der nach einer Katastrophe wie dem Taifun "Haiyan" plötzlich ungeahnte Gemeinschaften hervorbringe, sagte Voss: "Man steht vor dem materiellen Nichts, es gibt nur noch den Menschen an sich - das ist dann auf einmal der einzige Wert, der noch zählt."

Es werde immer wieder beobachtet, dass selbst Menschen, die vor der Katastrophe kaum sozial integriert waren, zum Beispiel "einfach fünf Unbekannte in ihre Hütte aufnehmen, nur weil die kein Haus mehr haben". Für eine kurze Zeit entstehe nach der Katastrophe eine ganz neue Ordnung, an der sich die Menschen vor allem an ihrem Gegenüber orientierten, sagte Voss. "Wenn ich selbst gerade gespürt habe, was Leid ist, bin ich viel eher bereit, anderen zu helfen", erklärte der Wissenschaftler.

Zentral für das Gemeinschaftsgefühl seien die ersten Tage nach einer Katastrophe, sobald der Schock überwunden ist, sagte Voss. "Da packen die Menschen zusammen an, kümmern sich umeinander und versorgen sich mit dem Nötigsten." Das kollektive Erlebnis gebe die Kontrolle über die Situation zurück und mobilisiere ungeahnte Kräfte, sagte Voss: "Eine solche gemeinschaftliche Energie spürt man im Alltag kaum mehr, weil da normalerweise alles ruhig und durchorganisiert ist."

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