Glanzlose Gala nach starkem Fernsehjahr

Deutscher Fernsehpreis

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Produzent Nico Hofmann freut sich über die Auszeichnung als "Bester Mehrteiler" für "Unsere Mütter, unsere Väter".

Glanzlose Gala nach starkem Fernsehjahr
Die wenig glamouröse Verleihung wurde den starken Produktionen, die mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden, nicht gerecht. "Unsere Mütter, unsere Väter" war der große Gewinner.
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Es war eine Preisverleihung ohne besondere Höhepunkte. Weder setzten Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher durch ihre Moderation der Gala glanzvolle Akzente, noch gab es aufsehenerregende programmpolitische Äußerungen von Preisträgern. Wie erwartet wurde der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" der große Gewinner des Abends.

Der Dreiteiler über die Kriegsgeneration sei eine der letzten Möglichkeiten gewesen, um eben jene Großelterngeneration noch einmal mit ihren Kindern und Enkeln vor dem Fernseher zu versammeln, sagte Produzent Nico Hofmann bei der Preisverleihung am Mittwochabend in Köln. In Anspielung auf die Missstimmungen, die die Produktion durch die Darstellung des polnischen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten in Polen ausgelöst hatte, stellte Hofmann klar, die Macher hätten mit dem Film "den Finger in die Wunde deutscher Schuld" legen wollen.

Starke Konkurrenz von hochwertigen Produktionen

Die wenig glanzvolle Gala wurde den starken Produktionen, die ausgezeichnet wurden, nicht gerecht. Wenn Sat.1-Chef Nicolas Paalzow zu Beginn der Verleihung sagte, die Nominierungen zeigten, dass das Fernsehen noch immer bewegen könne, meinte er damit wohl neben Shows wie "The Voice Kids" und "Got to Dance" vor allem Produktionen wie "Unsere Mütter, unsere Väter", "Der Turm" und "Das Adlon", die in den vergangenen Monaten den Nerv der Zuschauer trafen. Angesichts der starken Konkurrenz ging der vielgelobte ARD-Zweiteiler "Der Turm" am Ende leer aus.

Seit 1999 vergeben ARD, ZDF, RTL und Sat.1 den Fernsehpreise gemeinsam. Die Federführung für die Preisgala lag in diesem Jahr beim Privatsender Sat.1, der eine Aufzeichnung der Show am Freitag von 22.15 Uhr an ausstrahlt.

Umstrittene Flüchtlingsdokusoap ausgezeichnet

Auch bei den Fernsehfilmen hatte die Jury die gesellschaftliche Relevanz der nominierten Produktionen, "Operation Zucker", "Der Fall Jakob von Metzler" und "Der Minister", hervorgehoben. Am Ende machte "Operation Zucker" das Rennen, ein Film über Kinderhandel und Kinderprostitution in Osteuropa und Berlin. Produzentin Gabriela Sperl sagte, als sie den Preis entgegennahm, sie wünsche sich, dass die kommende Regierung endlich etwas dagegen unternehme, dass mitten in Berlin Kinder sexuell ausgebeutet würden.

In der Kategorie Dokutainment erhielt die ZDF-Sendung "Auf der Flucht" den Preis. In der Sendung versuchten sechs Deutsche sich in die Situation von Flüchtlingen einzufühlen, indem sie deren Fluchtstationen nachverfolgen. Das Format war bisweilen als "zynische Dokusoap" kritisiert worden, in der die Protagonisten auf eine Art Abenteuersafari geschickt würden. Die Jury hingegen lobte, dass es den Machern mit dieser Reihe gelungen sei, "auch bei den Zuschauern Aufmerksamkeit für eines der wichtigsten Themen unserer Zeit" zu wecken. Mirja Dumont, eine der Protagonisten der Reihe, widmete den Preis "den 45 Millionen Menschen, die in diesem Moment auf der Flucht sind".

Ehrenpreis an Ottfried Fischer

Den Preis als Beste Schauspielerin erhielt Susanne Wolff für ihre Darstellung der Ehefrau eines Mobbingopfers in dem Film "Mobbing" (ARD/BR/SWR/ARTE). Als Bester Schauspieler wurde Matthias Brandt für seine Rollen in mehreren Filmen ausgezeichnet.

Ehrenpreisträger Ottfried Fischer versuchte vergebens, die matte Preisverleihung etwas aufzumischen, als er auf die Bühne kam und sagte: "Ich nehme diesen Preis nicht an." Doch die Pointe zündete nicht wirklich. Den Gästen im Saal war klar, dass dies ein Zitat war, eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der im Jahr 2008 mit diesen Worten den Ehrenpreis der Stifter abgelehnt hatte. Der Kabarettist und Schauspieler Fischer, der kürzlich aus gesundheitlichen Gründen seine Sendung "Ottis Schlachthof" aufgab, nahm den Preis ebenso an wie alle anderen Ausgezeichneten.