Kirchenpräsident Jung verteidigt Homo-Segnung

Kirchenpräsident Jung verteidigt Homo-Segnung
Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, hat die Segnung homosexueller Lebenspartnerschaften vor dem Altar verteidigt. Homosexualität gehöre zur Schöpfung.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, hat die Segnung homosexueller Lebenspartnerschaften vor dem Altar verteidigt. Er sei sicher, dass es Gott gefalle, wenn solche Paare, die sich lieben und Verantwortung füreinander übernehmen, den Segen erbitten, sagte Jung am Samstag in der Sendung "Horizonte" des Hessischen Rundfunks. "Spiegel"-Autor Jan Fleischhauer warf der evangelischen Kirche in der Fernsehsendung Beliebigkeit vor.

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Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau seit zehn Jahren möglich. Davon haben bisher rund 120 schwule und lesbische Paare Gebrauch gemacht. Seit einigen Wochen ist die Segnung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft der Trauung in Hessen weitgehend gleichgestellt. Sie wird ins Kirchenbuch eingetragen, zudem wird eine Bescheinigung darüber erstellt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hatte sich kürzlich gegen eine weitere Aufwertung der Homo-Segnung ausgesprochen. "Ich wäre da zurückhaltend", sagte Schneider in einem Zeitungsinterview: "Ich bin sehr dafür, alle Diskriminierungen zu beseitigen, aber ich sehe keinen Sinn darin, alle unterschiedlichen und unterscheidenden Begrifflichkeiten einzuebnen."

Kritik von "Spiegel"-Autor Fleischhauer

Jung bekräftigte, die Segnung homosexueller Partnerschaften beschädige nicht das Institut Ehe. Vielmehr werde in der evangelischen Kirche die auf Dauer angelegte, verantwortlich gelebte, partnerschaftliche und gerechte Ehe nach wie vor als "Erfolgsmodell" gesehen: "Daran orientieren wir uns." Die Kirche müsse aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es inzwischen auch andere Formen des verbindlichen Zusammenlebens gebe.

"Spiegel"-Autor Jan Fleischhauer warf der evangelischen Kirche Beliebigkeit im Blick auf ihr Familien- und Eheverständnis vor. Sie verliere damit die Mehrheit der Bevölkerung aus dem Blick, "denn 98 Prozent der Kinder und Jugendlichen wünschen sich die Ehe". Der Journalist kritisierte auch die umstrittene Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ehe und Familie. Sie sei kein "besonders erfolgsversprechendes Programm", sondern trage zur Selbstsäkularisierung der Kirche bei.

Er halte es auch für einen Irrweg, ergänzte Fleischhauer, wenn die Kirche die Begriffe "Sünde", "Hölle" und "Verdammnis" aus ihrem Vokabular gestrichen habe und den Menschen auch nicht mehr sage, "was anständig und was falsch ist". Dem widersprach Jung: "Die Zeit der Bevormundung und der Maßregelung von der Kanzel ist vorbei."

In der im Juni vorgestellten 160-seitigen Orientierungshilfe mit dem Titel "Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" fordert der Rat der EKD, alle Familienformen zu stärken und schließt dabei auch Patchworkfamilien und homosexuelle Partnerschaften ein.