"So wichtig war Frau Wulff im Skandal um ihren Mann nicht"

Bildzeitung

Foto: Anika Kempf/evangelisch.de

Der Boulevard zieht über Bettina Wulff her, sie selbst sucht die mediale Aufmerksamkeit.

Deutschland spricht 2019
"So wichtig war Frau Wulff im Skandal um ihren Mann nicht"
Mit Klagen gegen Google und TV-Moderator Günther Jauch sowie einer vorgezogenen Veröffentlichung ihres Buches hat Bettina Wulff die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Was für die einen eine gut angelegte Marketingstrategie ist, kritisieren andere massiv. Überrascht zeigt sich nun der Buchverlag über die massiven negativen Äußerungen zum Buch im Internet. Der Publizist Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger spricht im evangelisch.de-Interview über die aktuellen Entwicklungen rund um Bettina Wulff.

Herr Prof. Dr. Kepplinger, könnte sich die bislang eher positive Stimmung durch die Klagen und die Buchveröffentlichung gegen Bettina Wulff wenden?

Kepplinger: Die Meinungen zu Bettina Wulff dürften bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung feststehen - einige halten sie für ein Opfer, andere für ein Luder. Daran wird die aktuelle Berichterstattung nicht viel ändern.

Anders sieht es bei jenen aus, die den Skandal nicht oder nur am Rande verfolgt haben - also die Masse der politisch Desinteressierten. Sie werden von der neuen Berichterstattung über die persönlichen und privaten Aspekte des Geschehens wahrscheinlich beeinflusst.

Entscheidend für die Art des Einflusses sind hier vor allem die Medien, die diesen Personenkreis erreichen - "Bild" und "Stern" sowie die Talkshows. Die eher negative Berichterstattung in einigen Qualitätsmedien und die entsprechenden Kommentare im Internet sind für diesen Personenkreis dagegen kaum relevant.

Bettina Wulff scheint versucht zu haben, die Medien dieses Mal für sich zu nutzen - ist ihr dies gelungen?

Kepplinger: Zweifellos ist das gelungen - vom wem immer dabei die Initiative ausgegangen ist.

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Debatte um Bettina Wulff für ihren Mann Christian Wulff?

Kepplinger: Weil die Meinungen über Christian Wulff nach seiner extrem intensiven Skandalisierung noch fester gefügt sein dürften als die Meinungen über seine Frau, wird die aktuelle Berichterstattung auch daran zumindest kurzfristig kaum etwas ändern. Allenfalls kann man, wenn der augenblickliche Tenor der Aussagen über Bettina Wulff anhält, mit einem Mitleidseffekt rechnen.

Einige werden - auch wenn die Interpretationen einiger Äußerungen von Frau Wulff weit überzogen sind und solche Folgerungen kaum rechtfertigen - sagen: das hat er aber nicht verdient. Allerdings wird die Diskussion über Christian Wulff vermutlich erst dann anschwellen, wenn gegen ihn Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird. Das dürfte in wenigen Wochen geschehen, was ein Grund dafür sei könnte, dass die Publikation des Buchs von Frau Wulff vorgezogen wurde.

Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für das Paar Wulff?

Kepplinger: Das Paar wird davon emotional nicht profitieren. Selbst wenn das Vorgehen abgesprochen wäre, würden einige öffentliche Reaktionen Verletzungen hervorrufen, mit denen beide wahrscheinlich nur schwer umgehen können.

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Wie bewerten Sie die derzeitige Rolle der Medien in der Berichterstattung um Bettina Wulff?

Kepplinger: Die Intensität der Berichterstattung erscheint mir weit übertrieben. So wichtig war Frau Wulff im Skandal um ihren Mann nicht. Die Berichterstattung lebt im Wesentlichen von der Befriedigung der Gier nach Informationen über ein Gerücht, das nach Ansicht aller Sachkundigen falsch ist. Die Häme gegenüber Frau Wulff, die aus einigen Meinungsäußerungen spricht, halte ich für völlig unangebracht. Selbst wenn sie erfolgreiche PR in eigener Sache betreibt, verdient ihre Sichtweise der Dinge Respekt. Im Übrigen: Wieso soll sie an der Korrektur von Ehrverletzungen kein Geld verdienen, an deren Verbreitung viele Geld verdient haben, die sich jetzt über sie aufregen?