Der Papst trifft das junge Libanon

Plakat von Papst Benedikt in Harissa, Libanon

Foto: Mehdi Chebil/Polaris/laif

Ein Plakat vor der St.-Paul-Basilika in Harissa weist auf den bevorstehenden Besuch von Papst Benedikt XVI. im Libanon hin.

Der Papst trifft das junge Libanon
Trotz Spannungen in der Region reist Papst Benedikt XVI. von Freitag bis Sonntag in den Libanon - und will auch junge arabische Christen treffen.

Taufik Abu Hadir ist ein vielbeschäftigter Mann. Ständig klingelt sein Handy. Alle paar Minuten kommen Mitarbeiter in sein Büro, um etwas mit ihm zu besprechen. Eigentlich ist Pater Hadir Koordinator für die Jugendarbeit im maronitischen Patriarchat. Aber seit Wochen ist er damit beschäftigt, die Begegnung des Papstes Benedikt XVI. mit Jugendlichen während des Besuchs im Libanon mitzuorganisieren.

Auf dem Tisch liegen Flyer, die über den Papstbesuch informieren, sowie hunderte Eintrittskarten für das Jugendtreffen. Die Begegnung soll im Hof des maronitischen Patriarchats Bkerki stattfinden. Das riesige Areal liegt nördlich von Beirut am Hang des Libanongebirges mit Blick auf das Mittelmeer. 20.000 junge arabische Christen werden erwartet.

Für den groß gewachsenen Pater ist das Jugendtreffen mit dem Papst eine seltene Gelegenheit für das direkte Gespräch zwischen jungen Gläubigen aus dem Libanon und dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Er ist sich sicher, dass dieses Ereignis der Beziehung der beiden Seiten förderlich sein wird.

Eine Auffrischung könnte das Verhältnis der katholischen Kirche zu jungen christlichen Libanesen gut gebrauchen. Genaue Angaben über das religiöse Engagement junger Katholiken im Libanon gibt es nicht. Aber Denize Al-Khoury, Koordinatorin für die Jugendarbeit im Apostolischen Laienkomitee, schätzt, dass ungefähr ein Viertel der katholischen Jugend im Zedernstaat in der Kirche aktiv sei. Die meisten der jungen Christen seien entweder nur auf dem Papier Christen oder würden sich zwar als Gläubige betrachten, ohne allerdings aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen.

Interesse an Religion nimmt ab

In den vergangenen Jahren registrierte Al-Khoury ein stark abnehmendes Interesse an Religion. Den Grund sieht die 40-Jährige in der wirtschaftlichen Situation. Immer mehr junge Menschen müssten neben Schule oder Universität arbeiten, auch an Wochenenden und in den Ferien, um die Studiengebühren zu bezahlen oder ihre Eltern zu unterstützen.

Zeit für etwas anderes bleibe kaum: "Früher, als ich jung war, habe ich meine gesamten Sommerferien in Zeltlagern oder Ferienaktivitäten der Kirche verbracht. Heute haben wir Schwierigkeiten, einen passenden Termin zu finden, um in den vollen Kalender der jungen Menschen hineinzupassen", bemerkt Al-Khoury.

Der ökonomische Druck ist ein immer wiederkehrendes Argument, mit dem Kirchenverantwortliche das Desinteresse der Jugend an der kirchlichen Arbeit begründen. Der 24jährige Patrick Abu Aql, der seit seiner Schulzeit in der Paulus-Jugendbewegung engagiert ist, weiß allerdings noch andere Gründe für die Distanz vieler Gleichaltriger zur Kirche. Der Wirtschaftsstudent hört von Kommilitonen und Bekannten viel Kritik am pompösen Auftreten von Kirchenvertretern. Das Herumfahren mit teuren Autos etwa komme nicht gut an.

Jugendangebote fehlen

Abu Aql bemängelt auch das Bildungsniveau vieler Kirchenmitarbeiter: "Wir jungen Leute haben Unmengen von Fragen. Man sollte imstande sein, unsere Fragen kompetent zu beantworten." Youssef Harb macht ähnliche Erfahrungen. Der 29-Jährige, seit vielen Jahren Mitglied bei den maronitischen Pfadfindern, vermisst in vielen Kirchengemeinden auf Jugendliche zugeschnittene Angebote. Er hat den Eindruck, dass viele Pater damit überfordert seien oder nicht genau wüssten, wie sie Kontakt zu jungen Leuten bekommen könnten.

Diakon Samih Tarabulsi von der katholischen chaldäischen Kirche in Beirut bestätigt die Kritik der beiden jungen Libanesen und räumt ein, dass die Kirche viel mehr den jungen Menschen zuhören und auf ihre Fragen eingehen sollte. "In unserer Diözese gibt es dazu Ansätze. Wir veranstalten Diskussionsrunden zu ethischen Fragen und nutzen auch das Internet." Unlängst ließ er ein Internetforum einrichten, in dem sich junge Leute über ihre Probleme und Sorgen austauschen könnten.

Auch in der mit Rom unierten maronitischen Kirche hat sich in Sachen Jugendarbeit in den vergangenen Monaten einiges bewegt. Patriarch Bechara Al-Rai, seit März 2011 im Amt, hat endlich eine Empfehlung der maronitischen Synode umgesetzt und die Stelle eines Koordinators für die Jugendarbeit im maronitischen Patriarchat eingerichtet. So konnte Pater Taufik Abu Hadir sein neues Büro beziehen und organisierte als eine seiner ersten Handlungen zum ersten Mal ein Treffen für alle katholischen Jugendbewegungen im Libanon.

Patrick Abu Aql und Youssef Harb haben sich in Abu Hadirs Büro die Karten für die Jugendbegegnung mit dem Papst abgeholt. Durch den hohen kirchlichen Besuch im Libanon fühlen sie sich in ihrem Glauben gestärkt und verbinden mit dem Ereignis die Hoffnung auf Frieden in dem multireligiösen Land.

Bischöfe rufen zu Dialog auf

Anlass der Reise von Benedikt XVI. ist die Unterzeichnung des nachsynodalen Schreibens der Sonderbischofssynode für den Nahen Osten, die im Oktober 2010 in Rom stattfand. Darin rufen die Bischöfe zu Frieden, Gerechtigkeit und Dialog in der Region auf. Gleichzeitig verurteilten sie in der Schlussbotschaft jegliche Form von religiösem Extremismus, Gewalt und Terrorismus. Die Unterzeichnung des Schreibens durch Papst Benedikt XVI. findet am Freitag in der St.-Paul-Basilika von Harissa statt.

Weitere Programmpunkte der Papstreise sind Treffen mit dem Präsidenten, dem Parlamentspräsidenten und dem Ministerpräsidenten des Libanons, ein Treffen mit den Oberhäuptern der muslimischen Gemeinschaften und eine Begegnung mit jungen maronitischen Christen. Der Besuch des Papstes im Libanon wird aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten mit Spannung erwartet.

Die religiösen Strukturen im Libanon

18 Religionsgemeinschaften sind in dem Land anerkannt. Von den 4,5 Millionen Einwohnern sind rund ein Drittel Christen und zwei Drittel Muslime. Mit 1,2 Millionen Gläubigen sind die Schiiten die größte Glaubensgemeinschaft des Landes. Rund ein Viertel der Bevölkerung sind Sunniten, die maronitischen Christen sind mit etwa einer Million Mitglieder die drittgrößte Gruppe. Sie sind seit 1445 offiziell mit Rom uniert. Weitere Glaubensgemeinschaften sind die Drusen, sowie weitere unierte Katholiken und orientalisch-orthodoxe christliche Gruppen.

Das politische System des Libanon beruht auf der Aufteilung der Macht zwischen den konfessionellen Gruppen. Dies äußert sich im Wahlrecht durch das Prinzip der Parität, das jeder religiösen Gemeinschaft eine festgelegte Zahl von Parlamentssitzen zuweist. Die 128 Sitze werden außerdem gleichwertig zwischen Christen und Muslimen aufgeteilt. Die vier höchsten Staatsämter sind Angehörigen bestimmter religiöser Gruppen vorbehalten. So muss der Staatspräsident Maronit, der Parlamentspräsident Schiit und der Ministerpräsident Sunnit sein.