Fairer Einkauf für das Osterfrühstück

Toast mit Papier-Ei

Foto: Photocase

Damit das Osterfrühstück in der Kirche kein schlechtes Gewissen macht, rät die christliche Initiative Romero zum fairen und umweltbewussten Einkauf.

Fairer Einkauf für das Osterfrühstück
"Der kirchliche Auftrag beinhaltet die Bewahrung der Schöpfung", sagt Daniel Kim Hügel, "und die Nächstenliebe als gelebte praktische Solidarität mit den Mitmenschen." Hügel arbeitet für die Christliche Initiative Romero (CIR), eine entwicklungspolitische Organisation aus Münster. Romero wirbt bei Kirchengemeinden für umweltfreundliche Produkte aus fairem Handel.

Auf den Tischen fürs Osterfrühstück könnten bei einigen Gemeinden Blumen stehen, die unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen produziert wurden oder Eier aus Käfighaltung. Damit die Bewahrung der Schöpfung, Klimagerechtigkeit und Nächstenliebe keine Lippenbekenntnisse bleiben und um den ethischen Konsum von Kirchengemeinden voranzutreiben, hat Romero die Kampagne "glaubhaft fair" gestartet - in ökumenischer Zusammenarbeit mit misereor, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst und dem Projekt "Zukunft einkaufen – glaubwürdig wirtschaften in Kirchen".

Im Rahmen der Kampagne wurde zum Beispiel eine Fairness-Check-Postkarte, entworfen, die Engagierte an die Kirchengemeinde schicken können. Außerdem werden praktische Aktionsideen "für Himmelsstürmer und Pragmatiker" aufgezeigt. Die 32-seitige Kampagnen-Werkmappe "Wie fair kauft meine Kirche?" der CIR soll darüber informieren, unter welchen Arbeitsbedingungen Genussmittel, Arbeitskleidung oder Informationstechnologie hergestellt werden. Einkaufstipss orientieren sich an den Werten Solidarität, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Ein Beispiel aus Oldenburg

"In der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg ist das Pilotprojekt 'Zukunft einkaufen' im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven ein sehr engagiertes und aktives Beispiel für ökofaire Beschaffung", findet Hügel. Pfarrer Gerd Pöppelmeier nennt ein Beispiel: In seiner Kirchengemeinde sei fair gehandelter Kaffee seit 15 Jahren Standard. Pöppelmeier ist Pfarrer in Sande und im Kirchenkreis Oldenburg für Ökumene und Umwelt zuständig. Auch andere Lebensmittel, Blumen und sogar Putzmittel seien inzwischen nicht nur menschen- und umweltverträglich, sondern stammten teilweise auch aus der Umgebung. Denn auch wenn Waren aus der Region kommen und nicht erst tausende Kilometer mit dem LKW und gar nicht mit dem Flugzeug transportiert werden müssen, schützt das die Umwelt.

"Viele Waren kaufen wir auf dem Markt und unser Putzmittel kommt von einem Öko-Reinigungsmittelunternehmen hier in der Nähe", erzählt der Pfarrer. "Wir haben das Unternehmen besichtigt und auf diese Art viele Gemeindemitglieder überzeugt, weil sie sich nun mit dem Betrieb identifizieren." Bildungsarbeit wie Vorträge, Diskussionen und Aktionen seien wichtig, um bei Mitarbeitern und Gemeindegliedern Verständnis für umweltbewusstes und klimagerechtes Verhalten zu wecken. So wussten einige beispielsweise nicht, dass die Wahl einer Bank Konsequenzen für die Menschen in aller Welt hat. Werden Geldanlagen für Spekulationen auf den Rohstoffbörsen verwendet, tragen sie damit zur Verteuerung von Nahrungsmitteln weltweit bei, was mehr zu Hungersnöten beitragen kann als eine Dürre.

Tipps für den Einkauf

Die Konfirmanden beschäftigten sich mit Handys. Sie sahen sich Filme über Gleichaltrige an, die in Kongo unter menschenunwürdigen Bedingungen Coltan abtragen, ein Metall, aus dem die kleinen, leistungsfähigen Speicherelemente für Handys und andere elektronischen Geräte hergestellt werden. Die Konfirmanden haben sich überlegt, wie oft sie ihr Mobiltelefon gewechselt haben und ob es jedes Mal nötig gewesen wäre.

"Es fehlt häufig an Informationen und verlässlichen Gütesiegeln", ist Daniel Kim Hügel von Romero aufgefallen. "Hier zeigt sich, dass politische Arbeit und starke Forderungen weiterhin notwendig sind. Initiativen wie unsere geben hilfreiche Tipps und konkrete Handlungsmöglichkeiten." Auch die Abstufungen im Bereich der Biosiegel verwirren teilweise mehr als sie helfen, findet er. Das Label nach EG-Öko-Verordnung, das bekannte sechseckige Siegel, sei nicht so streng wie beispielsweise Demeter, stellt Hügel klar und ergänzt: "Bei Demeter ist meines Erachtens noch kein Skandal vorgekommen."

Auch der Preis ist oft ein Argument gegen Fair-Einkauf. Die Leiterin des Projekts "Zukunft einkaufen" in der Kirche Oldenburg Marie Halbach rechnet da aber etwas anderes vor: "Die Friesenmischung, die den Gemeindemitgliedern nach einer Verkostung am besten schmeckt, ist leider auch doppelt so teuer als die gewohnte Sorte. Aber knappe 100 Euro extra im Jahr sind zu verkraften. Besonders deshalb, weil das Recyclingpapier für das Kirchenbüro und den Gemeindebrief, das wir nun mit zwei anderen Gemeinden zusammen bestellen, günstiger ist als das bisherige weiße Papier." Sie hat einen Katalog mit Ökowaren aufgelistet, die den Standards des Projekts entsprechen, damit Gemeinden, die bei "glaubhaft fair" mitmachen wollen, das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müssen.

Fairer Kaffee und Eier vom Markt

Unter den 31 Gemeinden der Kirche Oldenburg sind inzwischen fünf der größeren Gemeinden am Projekt beteiligt. "Das heißt 45.000 Mitglieder des 93.000 Protestanten umfassenden Kirchenkreises sind engagiert in Fragen der ökofairen Beschaffung", rechnet Pöppelmeier vor. "Ab Sommer soll das auch auf die restlichen 48.000 zutreffen."

Und wie wird in seiner Gemeinde der Osterfrühstückstisch gedeckt? "Tee und Kaffee sind wie immer fair, die Mitglieder bringen selbst gekochte Marmelade mit, der Auricher Saft ist in Flaschen und die Eier stammen vom Markt, wurden also irgendwo zwischen Wittmund und Bockhorn gelegt. Nur die Brötchen und die Butter werden wohl weder bio noch fair sein."