Friedensforscherin: Kolumbien vor Verhandlungen gespalten

Friedensforscherin: Kolumbien vor Verhandlungen gespalten
Zu Beginn der Verhandlungen zwischen Regierung und FARC-Guerilla hält die Friedensforscherin Silke Pfeiffer die kolumbianische Bevölkerung für gespalten.

"Der Konflikt spielt sich vornehmlich auf dem Land ab, in Städten wie Bogotá nimmt man ihn kaum wahr", sagte die Kolumbien-Direktorin der Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Deshalb gibt es in den Städten weniger Bereitschaft für Zugeständnisse gegenüber den FARC." Die seien jedoch nötig, um die Aufständischen zu einem Friedensvertrag und der Niederlegung der Waffen zu bewegen.

Auf dem Land, und vor allem in den Konfliktregionen, habe die Bevölkerung familiäre Bindungen zu den Rebellen, erläuterte Pfeiffer. "In manchen Gebieten haben alle Familien jemanden bei den FARC." Zudem besäßen die Aufständischen dort de facto die Autorität, weil sich der Staat zurückgezogen habe.

In Kolumbien herrscht seit annähernd 50 Jahren ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Regierung, Rebellen und paramilitärischen Milizen. Am 15. November soll der inhaltliche Teil der Friedensgespräche zwischen Regierung und der größten Guerilla-Gruppe Kolumbiens in Kuba beginnen. Zuvor war monatelang über eine Agenda und das Verfahren verhandelt worden.

"In den Konfliktregionen wünschen sich die Menschen nichts sehnlicher als den Frieden", sagte Pfeiffer. Aber sie wollten in den Prozess miteinbezogen werden. "Die FARC sind dort nicht das einzige Problem, sondern die mangelnden Entwicklungschancen." Die Regierung müsse den Menschen das Gefühl geben, es gehe um einen größeren Prozess, bei dem auch ihre Lebensbedingungen verbessert würden.

"Den Städtern hingegen muss man vermitteln, dass der Frieden einen Preis hat, dass man nicht um Zugeständnisse herum kommen wird", betonte Pfeiffer. Es sei auch wichtig ihnen zu verdeutlichen, "was der Konflikt kostet, was er anrichtet, und dass das auch etwas mit ihnen zu tun hat."

"Umfragen zeigen eine große Unterstützung für den Friedensprozess in der Bevölkerung", sagte Pfeiffer. Doch es herrschten sehr unterschiedliche Meinungen über die Umsetzung. Zudem gebe es Widerstand aus dem Militär, von Kriminellen und von Politikern, die von Ex-Präsident Álvaro Uribe angeführt würden. Je nachdem wie der Prozess laufe, könne sich die Stimmung innerhalb der Gesellschaft schnell ändern. "Das ist mit eine der größten Herausforderungen."

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