Polen und Russen schließen Freundschaft

Patriarch Kyrill in Polen

Foto: dpa/Radek Pietruszka

Patriarch Kyrill (links) und der Erzbischof Jozef Michalik haben die Kirchenerklärung gerade unterzeichnet. Jetzt sollen sich Russen und Polen aussöhnen.

Polen und Russen schließen Freundschaft
Die orthodoxe Kirche von Russland und die katholische Kirche Polens haben zur Versöhnung beider Völker aufgerufen.
Deutschland spricht 2019

In einer feierlichen Zeremonie unterzeichneten der Moskauer Patriarch Kyrill I. und der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik, am Freitagmittag im Warschauer Königsschloss eine gemeinsame Kirchen-Erklärung. "Wir appellieren an unsere Gläubigen, dass sie um Vergebung für das Leid, für die Ungerechtigkeiten und für alles gegenseitig angetane Unrecht bitten", heißt es in dem Dokument. Die Kirchen gehen in der seit 2010 gemeinsam vorbereiteten Erklärung nicht auf die historischen Streitfragen zwischen Polen und Russland ein.

In dem Dokument heißt es, die Bitte um Vergebung sei der erste und wichtigste Schritt ist, um das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen. Vergebung bedeute nicht Vergessen. Die schwierigen und tragischen Abschnitte der russisch-polnischen Geschichte müssten von Historikern beider Seiten aufgearbeitet werden. "Wir sind davon überzeugt, dass eine dauerhafte Versöhnung als Fundament einer friedlichen Zukunft nur auf der Basis der vollen Wahrheit über unsere gemeinsame Vergangenheit möglich ist", heben die Kirchen hervor. Jeder Pole solle in jedem Russen, und jeder Russe in jedem Polen, "einen Freund und Bruder sehen", wirbt das Kirchendokument.

Als aktuelle Herausforderungen für die Kirchen nennt die Erklärung die aktive Sterbehilfe, die Verbreitung von Homosexualität, das Konsumdenken und die Verbannung religiöser Symbole aus der Öffentlichkeit. Der Moskauer Patriarch war am Donnerstag zu einem viertägigen Besuch in Polen eingetroffen. Kyrill besucht auf Einladung der Polnischen Orthodoxen Kirche das ganz überwiegend katholische Land.

Die Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Polen waren lange Zeit von Spannungen geprägt. Der Besuch Kyrills I. ist darum der erste Aufenthalt eines russischen Patriarchen in Polen.