Bundesweites Gedenken an Pogromnacht von 1938

Bundesweites Gedenken an Pogromnacht von 1938
In zahlreichen deutschen Städten ist am Freitag an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert worden. Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) rief zum Engagement gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auf.

Die Gesellschaft müsse sich "dem Rechtsextremismus und der rechtsextremen Gewalt stellen, die in Deutschland eine Realität geworden sind", sagte Roters laut Redetext in einer Gedenkveranstaltung in der Kölner Synagoge.

In Berlin hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bereits am Donnerstagabend bei einer Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde erklärt, Juden müssten in Deutschland ihre Religion und ihre Identität unbehelligt leben können. "Antisemitische Angriffe wie unlängst auf einen Rabbiner sind für unsere Gesellschaft beschämend", sagte der SPD-Politiker.

Gauck: Pogromnacht untrennbar mit Mauerfall verbunden

Bundespräsident Joachim Gauck hat zum Gedenken an die Pogromnacht betont, dass diese untrennbar mit dem Mauerfall 1989 verbunden sei. "Die Geschichten gehören zusammen. Unsere jungen Leute sollten nicht zwei konkurrierende Geschichtserzählungen verinnerlichen", sagte Gauck bei einem Ausstellungsbesuch in Berlin. Die junge Generation dürfe einerseits niemals vergessen, was die "Nazi-Barbarei" gemacht habe. Andererseits sollten sie auch den Mauerfall in ihr Gedenken einbeziehen: "Dieses glückliche Geschehen des 9. November 1989 gehört zu dem anderen, bitteren 9. November."

In Berlin-Spandau wurde am Freitag das bestehende Mahnmal für die zerstörte Synagoge erweitert. "Mit dem Gedenken kommen diese Menschen uns wieder nah", sagte der evangelische Bischof Markus Dröge bei der Einweihung einer Mauer mit den Namen von Holocaust-Opfern des Bezirks. In vielen Kirchengemeinden finden zum Jahrestag der Reichspogromnacht vor allem am Abend Gottesdienste statt.

Stiftung: Aktuellen Antisemitismus nicht aus den Augen verlieren

"Wer den aktuellen Antisemitismus aus den Augen verliert, kann sich das Gedenken an die Novemberpogrome sparen", erklärte die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane. Die Organisation startete am Freitag ihre bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus. Daran beteiligen sich in diesem Jahr 110 Organisationen und Initiativen in 90 Städten.

In der Pogromnacht vor mehr als 70 Jahren gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Reich über. Es brannten Synagogen, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder zerstört wurden. Das öffentliche Leben der Juden in Deutschland kam nach den Pogromen völlig zum Erliegen.

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