Besonders starker Anstieg von Freitoden bei Frauen

Frau hält zwei Tabletten in der Hand und ein Glas Wasser
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Besonders auffällig sei der Anstieg der Todesfälle durch Selbstvergiftung mit Arzneimitteln und anderen Substanzen, heißt es in dem Bericht der Forscher:innen.(Symbolfoto)
Mehr Suizide in Deutschland
Besonders starker Anstieg von Freitoden bei Frauen
Seit 2020 stieg die Zahl der Suizide bei Frauen um 54 Prozent, bei Männern um 13 Prozent. Eine Suizidforscherin bennent die Ursachen.

Die Zahl der Suizide bei Frauen in Deutschland steigt wesentlich stärker als bei Männern. Männer seien aber mit 69,2 Prozent weiterhin deutlich häufiger betroffen als Frauen, teilten das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland und die Deutsche Akademie für Suizidprävention am Mittwoch in Kassel nach einer Auswertung der Todesursachenstatistik für 2025 mit.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch eine zunehmende Annäherung der Suizidraten. Seit 2020 stieg die Zahl der Suizide bei Frauen um 54 Prozent, bei Männern um 13 Prozent.

Zudem seien die Suizidzahlen insgesamt so hoch wie seit 1998 nicht mehr: 11.334 Menschen nahmen sich 2025 in Deutschland das Leben, 962 mehr als im Vorjahr (plus 9,3 Prozent), wie es hieß. Nach jahrzehntelangem tendenziellem Rückgang sei die Zahl der Suizide seit 2020 um rund 23 Prozent gestiegen.

Selbstvergiftung mit Arzneimitteln

Besonders auffällig sei der Anstieg der Todesfälle durch Selbstvergiftung mit Arzneimitteln und anderen Substanzen. Bei Frauen erhöhte sich deren Zahl allein von 1.073 (2024) auf 1.593 (2025). Damit entfällt rechnerisch nahezu der gesamte Anstieg der Suizidzahlen bei Frauen auf diese Gruppe von Todesursachen.

Die Entwicklung falle zeitlich zudem mit einer deutlichen Zunahme assistierter Suizide zusammen, hieß es. Drei Suizidhilfe-Organisationen meldeten für 2025 insgesamt 1.287 begleitete Suizide, nach 977 im Vorjahr. Im Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung aufgehoben.

Assistierte Suizide werden in der bundesweiten Todesursachenstatistik nicht gesondert ausgewiesen, wie die beiden Organisationen erklärten. "Die verfügbaren Daten begründen jedoch die Vermutung, dass die zunehmende Suizidassistenz zum Anstieg der Suizidzahlen bei Frauen beiträgt. In welchem Umfang genau, bleibt bislang offen." Die Organisationen fordern deshalb eine bundesweit einheitliche und unabhängige Erfassung assistierter Suizide.

Mehr Suizide bei älteren Menschen

Fast die Hälfte aller Suizide entfiel 2025 auf Menschen ab 65 Jahren. In dieser Altersgruppe stieg die Zahl der Suizide gegenüber dem Vorjahr um 558 auf 5.510. Von den 2025 durch Suizid verstorbenen Frauen waren bereits 64 Prozent mindestens 60 Jahre alt, bei Männern waren es 56 Prozent. Die Suizidraten steigen demnach im höheren Lebensalter deutlich an, wie die beiden Organisationen feststellten.

Mehrere Ursachen für Anstieg

Zu den Ursachen der Zunahme sagte die Suizidforscherin Ute Lewitzka von der Universität Frankfurt am Main, mehr Suizide seien auch ein Krisenphänomen. Finanzielle Not und Unsicherheit förderten Suizidalität bei Menschen mit Risikofaktoren. Soziale Medien könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

 

Das deutsche Gesundheitssystem biete nicht ausreichend niedrigschwellige Hilfe, kritisierte die Psychiaterin. Der Zugang zu ambulanter Psychotherapie erfordere Initiative und Hartnäckigkeit, über die viele belastete Menschen nicht verfügten.

Lewitzka forderte neben einer besseren Prävention eine bessere Versorgung suizidgefährdeter Menschen und mehr palliative Angebote. "Wir brauchen auch dringend bessere Regeln für die Suizidassistenz", sagte sie. Diese Angebote hätten ihre Berechtigung, doch gebe es tatsächlich Anbieter, die daraus ein Geschäft machten.

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, oder jemanden kennen, der suizidgefährdet ist, suchen Sie Hilfe. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/1110111 und 0800/1110222. Auch ein Kontakt per Chat und E-Mail ist möglich: www.telefonseelsorge.de