Olivier Jobard / MYOP/ laif
Sudan-Darfur
Das Leid zeigen?
Anfang des Jahres besuchte ich die Region Darfur, um auf die Krise aufmerksam zu machen, die in ihr viertes Jahr gegangen ist. Der finanzielle Bedarf ist riesig, die mediale Aufmerksamkeit hat sich längst dem Nahen Osten zugewandt. Viele Menschen in Darfur sind unterernährt, in einigen Gebieten herrschen hungersnotartige Zustände. 14 Millionen Menschen wurden innerhalb und außerhalb des Landes vertrieben. 33 Millionen benötigen Nothilfe. Die schlimmste humanitäre Krise der Welt.
Soweit die Zahlen. Doch nichts bereitet einen wirklich auf ein Camp für Vertriebene wie Feina vor. Feina ist ein kleines Dorf im Jebel-Marra-Gebirge in Süddarfur. Es hatte Stunden gedauert, dorthin zu gelangen. Über unbefestigte Straßen, vorbei an verkohlten Lastwagen und Kontrollpunkten, die von bewaffneten Jugendlichen besetzt waren.
An das Dorf Feina – Hütten aus Stöcken, Steinen und Stroh – hat sich ein Vertriebenenlager angegliedert, das um ein Vielfaches größer ist. Dort leben Zehntausende Überlebende, die aus belagerten Städten wie El Geneina und El Fasher geflohen sind. Das Camp wird größtenteils von Großmüttern, Müttern und ihren Kindern bewohnt. Männer und ältere Jungen fehlen auffällig.
Am nächsten Tag machte sich meine Kollegin Abi daran, die Geschichten von Frauen und Mädchen zu dokumentieren. Mütter, Töchter und Väter, die Übersetzer, alle, die zuhörten – und ich selbst: Wir alle versuchten die Tränen zurückzuhalten, während die Menschen berichteten.



