TV-Tipp: "Tatort: Gottesgarten"

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25. Oktober, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Tatort: Gottesgarten"
Es ist ein düsterer Fall, in dem Rosalie Thomass ihr Debut beim "Frankenkrimi" gibt. Allerdings gerät die Inszenierung ein bisschen spannungsarm, findet der Rezensent.

Dass Ermittlungs-Teams im Sonntagskrimi philosophisch werden, ist gar nicht so selten. Meist geht es dabei um die Frage, ob das Recht auch immer gerecht ist. Oft genug ist das nicht der Fall; zum Beispiel, weil ein Mann mit seinen Untaten davonkommt, obwohl alle Welt weiß, dass er schuldig ist. Dieser Aspekt kommt auch in "Gottesgarten" zur Sprache, dem ersten Franken-Krimi mit Rosalie Thomass als neuer Filmpartnerin von Fabian Hinrichs.

Philosophisch wird es jedoch in einem anderen Zusammenhang, als Felix Voss den Schriftsteller Jean Paul zitiert: "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können." Die kluge Kollegin fragt ihn daraufhin: "Wenn dieses Erinnerungsparadies reine Fiktion ist – was dann?" Jean Paul hat noch eine weitere Variante formuliert: "Öfter aber ist die Erinnerung die einzige Hölle, in die wir schuldlos verdammt werden."

Diese Hölle haben drei Männer, heute um die dreißig, als Teenager erlebt, wie der Film nach und nach preisgibt. Damals hat Thorsten Widner (Jörg Witte) für die Jugendlichen regelmäßig Partys veranstaltet, mit viel Alkohol und Drogen. Was genau dabei vorgefallen ist, lässt das Drehbuch von "Tatort"-Debütant Constantin Lieb offen, aber die Erlebnisse haben bei Toni, Marcel und Elias Wunden hinterlassen, die nie wieder heilen werden. "Es ist nicht vorbei" steht auf der Rückseite eines Fotos, das die drei zeigt; das wäre ebenfalls ein passender Titel gewesen.

Zu den Rückblenden in der zweiten Filmhälfte erklingt immer wieder der "Münchener Freiheit"-Hit "Ohne dich". Wer bislang nicht wusste, was ein "Trigger"-Effekt ist: Hier wird er deutlich vor Ohren geführt. Die Wut, der Schmerz und die Scham, heißt es gegen Ende, bleiben für immer.

"Gottesgarten" beginnt mit einer geschickten Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit: Das jugendliche Trio sitzt auf dem fränkischen Staffelberg und schaut in die Landschaft, während ein Herr als Dame mit einer melancholischen Weise "Lavendeltreppen" und den "Schatten einer Königin" besingt. Kurz drauf ist Travestiekünstler Elias Schaller tot: Eine Freundin hat ihn mit durchschnittener Kehle gefunden.

Die Wohnungen in dem Apartmenthaus werden von Personen gebucht, die ihren Körper vermieten. Eine Überwachungskamera zeigt die in Frage kommenden Freier. Einer von ihnen ist Toni (Leonard Scheicher), auf ihn konzentrieren sich fortan die Ermittlungen. Voss und Rathgeber können zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass er seinem Freund nie etwas angetan hätte.

Um mehr über das Opfer zu erfahren, sucht das Nürnberger Duo Elias’ Eltern auf - und nun wird es gruselig, denn Schaller senior (Horst Kummeth) repräsentiert auf äußerst unangenehme Weise, was es bedeutet, wenn ein junger Mensch in der Provinz anders als die anderen ist. Dieses Gespräch ist der Anlass für den Ausflug ins Reich der Philosophie. Die Frage von Recht und Gerechtigkeit kommt ins Spiel, weil der Mann, der die Jungs offenkundig missbraucht hat, damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden ist.

Regisseur Dustin Loose hat zuletzt "Die Nichte des Polizisten" (2025, ARD) gedreht; das fesselnde Drama war von der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter durch den "NSU" inspiriert. Sein "Tatort"-Debüt war vor einigen Jahren "Déjà-vu" (2018); in dem äußerst intensiven Krimi suchte das Dresdener Trio einen Kindermörder. Von der Spannung dieser beiden Filme ist "Gottesgarten" – der Titel bezieht sich auf die Gegend, in der die Jungs wie auch der Autor aufgewachsen sind – allerdings weit entfernt.

Die Story ist interessant, die Bildgestaltung (Clemens Baumeister) ist sorgfältig, aber die Umsetzung ist mit Ausnahme des Finales, als Voss und Rathgeber verhindern wollen, dass die beiden Freunde Selbstjustiz üben, reichlich spannungsarm.

Abgesehen vom etwas eigenwilligen, aber sympathischen fränkischen Humor, verkörpert vom "Spusi"-Duo, lebt das Debüt der Hauptkommissarin daher vom Zusammenspiel zwischen Fabian Hinrichs und Rosalie Thomass. Die Münchenerin hat maßgeblich an der Gestaltung ihrer Rolle mitgewirkt und vor allem den Kontrast betont, und das nicht nur im Vergleich zur Vorgängerin Ringelhahn (Dagmar Manzel): Im Unterschied zu Voss, dem zurückhaltenden Norddeutschen, ist die Oberbayerin Emmy herzlich und offen. Biografische Andeutungen lassen jedoch erahnen, dass auch sie ihr Päckchen zu tragen hat. Sehr witzig ist hingegen die Idee, dass Voss der Kollegin sein Wort geben will und sie das wörtlich nimmt; er entscheidet sich für "Zwetschgenquarkknödel". Der Schluss legt allerdings die Frage nahe, ob ihr erster Auftritt womöglich auch der letzte ist.