Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge

Polizisten sichern am 17. September Spuren an der neuen Synagoge in Wuppertal.
Christoph Petersen/dpa
Polizist:innen sichern Spuren an der neuen Synagoge in Wuppertal.
Judenhass als Motiv?
Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge
Nach dem versuchten Brandanschlag auf die Wuppertaler Synagoge gehen die Ermittlungsbehörden von einem antisemitischen Motiv aus. Der 37-jährige mutmaßliche Täter aus Afghanistan soll in Untersuchungshaft kommen.

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter habe bei seiner Festnahme Angaben gemacht, die auf eine antisemitische Motivation für die Tat hindeuteten, erklärte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert am Freitag in Wuppertal. Der aus Afghanistan stammende Mann sollte noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden und in Untersuchungshaft kommen. Er wird der versuchten schweren Brandstiftung beschuldigt.

Der 37-Jährige ist den Angaben zufolge bereits wegen Bedrohung einer Nachbarin vorbestraft. Der Tatverdächtige soll am Donnerstag um 14 Uhr eine brennbare Flüssigkeit auf den Treppenstufen des zur Synagoge gehörenden Cafés "Negev" ausgegossen und entzündet haben. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Es entstand nur geringer Sachschaden, verletzt wurde niemand. Durch Polizisten konnte der Tatverdächtige wenig später in unmittelbarer Nähe zum Tatort festgenommen werden.

Nach einer Sichtung der Videoüberwachung sei der Mann dringend verdächtig, das Feuer gelegt zu haben, hieß es. Noch am Donnerstagabend wurde die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht. Gefunden wurden dabei unter anderem mehrere Messer und eine Machete. Im Falle einer Verurteilung droht dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und 15 Jahren.

Breite Welle der Solidarität mit der Kultusgemeinde

Nach dem Angriff auf die Synagoge äußerten zahlreiche Vertreter aus Politik und Kirche ihre Solidarität mit der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal. Der rheinische Präses Thorsten Latzel rief dazu auf, Hass und Antisemitismus entgegenzutreten. Es dürfe nicht sein, dass jüdisches Leben und jüdische Einrichtungen in Deutschland nicht sicher seien, schrieb Latzel auf Instagram.
Die Wuppertaler Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) verurteilte die Tat "aufs Schärfste". Sie sei sehr froh, dass bei dem Vorfall keine Personen zu Schaden gekommen seien. Zudem betonte sie, dass die Stadt eng an der Seite der Jüdischen Kultusgemeinde mit ihren rund 2.000 Mitgliedern stehe.

Stellvertretende Ministerpräsidentin bezeichnet die Tat als "feigen Anschlag"

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) sagte der jüdischen Gemeinde ihre volle Solidarität zu und bezeichnete die Tat als "feigen Anschlag". Auf dem Portal X erklärte sie: "Gut, dass die Einsatzkräfte schnell gehandelt und damit vielleicht Schlimmeres verhindert haben."

"Mit Entsetzen" reagierte der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein auf den Vorfall. Der Anschlag auf die Synagoge "wenige Tage vor Jom Kippur weckt Erinnerungen an den tödlichen Angriff von Halle 2019", sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes, Oded Horowitz. "Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls sowie die Bestrafung des Täters."

Nach 2014 war es der zweite versuchte Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal. Damals hatten drei palästinensische Männer einen Brandsatz auf den Eingangsbereich der Synagoge geworfen. Das Feuer hatte ebenfalls keine größeren Schaden angerichtet, auch Menschen wurden nicht verletzt. Das Landgericht Wuppertal verurteilte die drei Täter zu Bewährungsstrafen.