Unter dem Titel "Herz statt Hetze. Demokratie und Vielfalt feiern" hat die Kirchengemeinde Bad Doberan (Landkreis Rostock) ein Zeichen für demokratischen Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und gesellschaftliche Vielfalt gesetzt. Neben Austausch, Musik und Theater standen Beiträge von Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche und Gesellschaft auf dem Programm, wie der Kirchenkreis Mecklenburg am Dienstag mitteilte.
Demokratischer Zusammenhalt könne gelingen, ohne dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Wut, Ausgrenzung und gegenseitiger Abwertung bestimmt würden, sagte der mecklenburgische Propst Dirk Fey aus Rostock.
Der Propst verwies auf die Angst junger Menschen um ihre Zukunft, finanzielle Sorgen von Familien oder Einsamkeit im Alter. Diese Sorgen seien real. "Sie verlangen nach Antworten, nicht nach Beruhigungspillen", sagte Fey. Unter dem Motto "Die Welt von unten sehen" formulierte er sechs Pfeiler, die Orientierung für eine solidarische Gesellschaft geben könnten: Personalität, Solidarität, Gemeinwohl, Subsidiarität, Nachhaltigkeit und die Option für die Armen.
Mitgefühl statt Spaltung
Seine Botschaft: Nicht Wut und Spaltung sollten die Gesellschaft bestimmen, sondern Mitgefühl, Verantwortung und Solidarität. Auch die anstehende Landtagswahl in MV versteht Fey als Ausdruck dieser Haltung: Wer wählt, übernehme Verantwortung und könne denjenigen eine Stimme geben, die selbst wenig Gehör finden.
Der Propst betont: Kein Mensch dürfe zu einer Kennzahl oder einem wirtschaftlichen Faktor werden. Der Mensch sei "unbezahlbar" und besitze seine Würde unabhängig von Leistung, Status oder digitalem Wert. Solidarität bedeute für ihn mehr als eine Sonntagsrede, sagte der Propst. Gesellschaftlicher Zusammenhalt zeige sich dabei ganz konkret, etwa bei der Frage, ob ein Bus im Dorf noch fährt.
Eine Gesellschaft zerbreche nicht allein an leeren Kassen, sondern auch an Gleichgültigkeit und sozialer Kälte. Beim Thema Gemeinwohl warnte Fey vor einer Politik, die nur den eigenen Interessen oder den Lautesten diene. Ein Leben in Würde müsse für alle möglich sein. Fey: "Man kann Probleme mit Wut anheizen oder mit Mitgefühl lösen."




