TV-Tipp: "Einspruch, Schatz! Hundeliebe"

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18. September, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Einspruch, Schatz! Hundeliebe"
Episodenhauptfigur ist ein junger Mann, der zu Beginn dank einer kürzlich verstorbenen Fürsprecherin vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird.

Freitags im "Ersten" ist mitunter Langmut gefragt; gerade bei einer Reihe wie "Einspruch, Schatz!". Die ARD widmet der Leipziger Anwältin mit dem großen Herzen gleich vier neue Episoden, deren Stil allerdings nicht nur im Auftaktfilm gewöhnungsbedürftig ist. In Komödien sind die Figuren immer etwas "drüber", doch gerade bei "Hundeliebe" fällt die Überzeichnung besonders auf, weil einige der Mitwirkenden darstellerisch noch eins drauf setzen; das wirkt dann aber nicht mehr komisch, sondern übertrieben.

Davon abgesehen ist die Handlung bis ins Detail vorhersehbar. Die Geschichte ist jedoch sympathisch, zumal sich Eva Schatz nahtlos in die Riege jener Helferinnen mit Herz integriert, die freitags im "Ersten" Gutes tun. Episodenhauptfigur ist ein junger Mann, der zu Beginn dank einer kürzlich verstorbenen Fürsprecherin vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Die verblichene Brauereibesitzern Dagmar Herbert hat sich samt Hund Bärbel für ein Resozialisierungsprojekt engagiert. Ihr Vermächtnis eröffnet Erik Heise (Julius Nitschkoff) eine zweite Chance, denn sie hat ihm nicht nicht nur den Vierbeiner vermacht.

Für die Tierpflege erhält er ein fürstliches Salär von monatlich 4.000 Euro sowie ein Wohnrecht in ihrer geräumigen Villa, solange Bärbel lebt. Tochter Maria (Katharina Heyer) und ihr umgehend als Schurke des Films erkennbarer Gatte (Sascha Göpel) sind schockiert: Sie wollten in die Villa ziehen und mit dem Verkauf ihres eigenen Hauses die Brauerei sanieren. Eva (ChrisTine Urspruch) soll regelmäßig kontrollieren, ob Erik seinen Pflichten nachkommt. Sie ist die Vollstreckerin des Testaments, das Maria selbstredend anfechten will; ihr Anwalt, auch das keine Überraschung, ist Hanno Bertram (Wolfgang Grandezka), Evas Lebensgefährte.

Dass das Ehepaar Herbert vor dem Gerichtstermin keinen Blick ins Testament geworfen hat, ist zwar nicht recht glaubwürdig, aber die schönste Rolle in diesem Reigen spielt ohnehin Stephan Grossmann, der im Unterschied zu den Kolleginnen und Kollegen weder ausladende Gesten noch mimischen Aufwand braucht, um größtmögliche Wirkung zu erzeugen. Er verkörpert in dem sich abzeichnenden juristischen Scharmützel wieder mit großer Gelassenheit den Richter, der zum großen Glück des Films auch auf der zweiten Ebene des Films mitwirkt.

Hannos Tochter, mittlerweile 16, ist verliebt. Lucas (Benedikt Kalcher) ist zwei Jahre älter, fährt einen grollenden Ford Mustang, spielt Football und entspricht somit ganz und gar nicht dem Ideal, dass dem Vater für Lili (Lola Höller) vorschwebt. Richter Schmidt kann Hannos Nöte nachvollziehen: In dem Alter sind Jungs wie Raubtiere. Dass er weiß, wovon er spricht, sorgt später immerhin für eine kleine Verblüffung, denn es gibt eine weitere junge Episodenfigur. Dagmar hatte Erik gebeten, ein Auge auf ihre von den Eltern meist alleingelassene Enkelin zu haben.

Als das Ehepaar wieder mal unterwegs ist, nutzt Ida (Eline Doenst) die sturmfreie Bude für eine zünftige Party, die prompt aus dem Ruder läuft, weil irgendjemand Ecstasy-Pillen mitgebracht hat. Familie Herbert wohnt schräg gegenüber, und da Erik einst selbst durch falsche Freunde auf die schiefe Bahn geraten ist, ruft er die Polizei. Lili und Lucas sind ebenfalls unter den Gästen, und schließlich taucht zur allgemeinen Verblüffung auch Richter Schmidt auf. Ausgerechnet für Erik nimmt die Sache jedoch kein gutes Ende. Tags drauf ist er es, der unangenehmen Polizeibesuch kriegt, weil er anonym denunziert worden ist: Er soll das Partyvolk mit den Drogen versorgt haben.

Regie führte der sendeplatzerfahrene Josh Broecker, der vor Jahren mit der Trilogie "Eltern allein zu Haus" (2017) eine durchaus ansprechende Freitagsreihe gedreht hat. Seine "Einspruch"-Episode zeichnet sich im Unterschied zur sonstigen Bildgestaltung dieses Genres durch eine agile Kamera aus, die in einem nicht immer passenden Kontrast zum gemächlichen Erzähltempo steht. Außerdem fällt auf, dass die durchwegs guten jugendlichen Ensemblemitglieder im Vergleich zu den Erwachsenen angenehm sachlich agieren. Unterm Strich ist "Hundeliebe" trotzdem keine Zeitverschwendung.

Der ständige Streit des Ehepaars Herbert nervt zwar auf Dauer, aber ansonsten sind die Dialoge durchaus gelungen. Ausgerechnet die Beiträge von Jochen Busse sind allerdings ungewohnt zahm; Vater Schatz hat ohnehin nicht besonders viel zu tun. Das Drehbuch schrieb Reihenschöpfer Torsten Linkeit diesmal zusammen mit Boris von Sychowski. Alle vier neuen Filme stehen in der ARD-Mediathek.